«Die Feminität, die ich verstecken musste, wird plötzlich gefeiert»

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Dragqueen Paprika in rotem Spitzenkleid mit blonder Perücke und dramatischem Make-up auf der Bühne des Schauspielhauses Zürich, Mikrofon in der Hand.
Michel von Känel als Paprika in «Die kleine Meerjungfrau» am Schauspielhaus Zürich. (Bild: Toni Suter)
Das Schauspielhaus Zürich zeigt «Die kleine Meerjungfrau» noch bis zum 17. Juni. Wir haben Michel von Känel aka Paprika backstage besucht.

Michel von Känel hat als Kind gerne Theater gespielt. Er hat sich gerne verkleidet. Und er hat lange gebraucht, bis er den Anblick von sich im Kleid akzeptieren konnte. «Als ich zum ersten Mal in einem Kleid vor dem Spiegel stand, hat sich etwas falsch angefühlt», sagt er. «Es ging sehr lange, bis ich das akzeptieren konnte.»

Heute steht Michel von Känel genau dort, wo früher vielleicht Unsicherheit war: im Kleid, im Licht, als Paprika auf der Pfauen-Bühne des Schauspielhauses Zürich. Die Inszenierung von Bastian Kraft feierte im Januar 2025 Premiere und wurde von der Kritik begeistert aufgenommen: nachtkritik.de sprach von einem «Theaterwunder», der Tages-Anzeiger von einem «Plädoyer für mehr Akzeptanz», die NZZ von Standing Ovations und nicht enden wollendem Beifall.

«Michel und Paprika – das ist ein fliessender Übergang»

Von Känel ist tagsüber Lehrer. Er unterrichtet Mathematik, Natur und Technik sowie Textiles Gestalten. Seit 2018 steht er als Paprika auf der Bühne, gewann im selben Jahr das Heaven Drag Race und trat seither in Zürich, Bern, Berlin, München und Amsterdam auf. In der SRF-Sendung Club hat er die Perspektive einer Lehrperson und einer Dragqueen mehrfach in gesellschaftliche Debatten eingebracht.

Wo Michel aufhört und Paprika beginnt, lässt sich für ihn nicht klar trennen. «Michel und Paprika, das ist ein fliessender Übergang», sagt er backstage. «Die Feminität, die ich als Jugendlicher verstecken musste, wird plötzlich gefeiert und ist eine Stärke. Das ist sicher ein Schlüssel.»

Andersen, Drag und eine queere Lesart

Neben Michel von Känel stehen Klamydia von Karma und Ivy Monteiro aka Tropikahl Ivy auf der Bühne. Ivy Monteiro gilt als Mitbegründerin der Schweizer Ballroom- und Voguing-Szene. Anis Meschichi aka Klamydia von Karma forscht an der ETH Zürich.

Neben Michel von Känel stehen Klamydia von Karma und Ivy Monteiro aka Tropikahl Ivy auf der Bühne. Ivy Monteiro gilt als Mitbegründerin der Schweizer Ballroom- und Voguing-Szene. Anis Meschichi aka Klamydia von Karma forscht an der ETH Zürich.

Noch fünf Vorstellungen

Das Stück läuft im Pfauen, der grossen Bühne des Schauspielhauses. Die nächsten Vorstellungen finden am 25. Mai, 4. Juni, 9. Juni, 11. Juni und 17. Juni statt – jeweils um 20 Uhr, mit englischen Übertiteln und teils Einführung. Tickets gibt es auf schauspielhaus.ch.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

22.05.2026

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