Der grauenhafte islamistische Anschlag auf den Berliner CSD hat die Community zutiefst erschüttert. Was ist das nur für eine Vorstellung von Religion, die junge Männer zu derart irrsinnigen Hasstaten bewegt? Wie kann es sein, dass Menschen wirklich glauben, sie könnten als Mörder zu Märtyrern werden, die im Paradies mit Jungfrauen beglückt werden?
Die Community wird andauernd verbal und auch körperlich angegriffen. Doch sie lässt sich dadurch nicht unterdrücken. Das bewies der CSD in Hamburg. Unter dem topaktuellen Motto «Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!» zogen 300‘000 Menschen friedlich demonstrierend durch die Hansestadt.
500‘000 an der Canal Parade
Ein Zeichen der Resilienz setzte auch die World Pride in Amsterdam. Am Samstag schipperte die traditionelle Canal Parade mit 80 bunt geschmückten Booten vor 500‘000 Besuchenden durch die Grachten.
Der schwule Ministerpräsident Rob Jetten rief junge LGBTQ+-Personen bei der Veranstaltung auf, das Coming-out zu wagen. Das sei zwar nicht einfach, «aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser».
Der 39-Jährige räumte ein, dass die Community zunehmend unter Druck gerate. Umso wichtiger sei es, sichtbar zu bleiben und gegen Anfeindungen zu protestieren.
Ungefilterter Hass im Netz
Toleranz für queere Menschen ist leider nicht selbstverständlich. Das bewiesen viele Kommentare, zum Beispiel auch auf Facebook. Da gab es einerseits Beileidsbekundungen und Kritik am islamistischen Hintergrund des Attentats und am Versagen der Politik. Aber sehr schnell kamen (fast ausschliesslich aus dem Osten Deutschlands und von Putin- und AfD-Verstehern) Kommentare, welche die Opfer zu Tätern machten: «Die sind doch selber schuld, wenn sie ihre Sexgelüste so offen präsentieren», «schade, hat es nicht noch mehr erwischt» oder «wer nicht hören will, muss fühlen».
Der AfD-Vize Sven Tritschler beschimpfte den CSD gar als «staatlich gehätschelte Feier der Verkommenheit».
In den Unsozialen Medien zeigt sich die Fratze des Hasses. Und das ganz ungeschminkt. Kämpfen wir weiter!
