Die Amsterdam Pride gehört seit 1996 zur Stadt. Die Canal Parade, bei der Boote durch die historischen Grachten fahren, zieht jedes Jahr bis zu 500’000 Zuschauende an. 2019 wurde das Fest ins nationale Inventar des immateriellen Kulturerbes der Niederlande aufgenommen. Jetzt soll es den nächsten Schritt machen: Kulturministerin Rianne Letschert hat entschieden, die Pride Amsterdam als Kandidatin für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO einzureichen. Damit folgte sie dem Rat des niederländischen Kulturrats, der die Pride Amsterdam aus einer Shortlist von fünf Kandidaten als stärksten Vorschlag auswählte.
Es wäre das erste Mal, dass ein queeres Grossereignis diesen Status erhält.
Warum die Pride
Die fünf Kandidaten auf der Shortlist waren die Pride Amsterdam, die Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung Leidens von 1574, das Heckenflechten, das Fanfarenorchester und die niederländische Wohnwagenkultur. Der Kulturrat begründete seine Wahl mit einem klaren Argument: Für Stadtfeste, landwirtschaftliche Handwerke und Bläsertraditionen gibt es auf der UNESCO-Liste bereits vergleichbare Einträge. Für ein queeres Kulturfest nicht.
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Mehr InformationenAusschlaggebend war auch die internationale Strahlkraft der Niederlande in diesem Bereich. «Die Niederlande sind international als Vorreiter in Sachen Geschlechtergleichheit, queerer Emanzipation und sexueller Freiheit bekannt», schrieb der Kulturrat in seiner Empfehlung. 2001 war das Land das erste weltweit, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnete.
Mehr als Amsterdam
Pride-Direktor Lucien Spee hat eine grössere Vision. Offiziell wird zwar «Pride Amsterdam» nominiert – aber Spee hofft, dass der Titel auf dem UNESCO-Dossier schlicht «Pride» lauten wird, ohne den Zusatz Amsterdam. So könnten auch Prides in Ländern einbezogen werden, in denen queere Menschen nicht frei leben können. «Es ist schön für uns als Pride Amsterdam», sagte Spee gegenüber dem Stadtradio AT5. «Aber wir waren einmal ein Leuchtturm der Hoffnung, und das wollen wir wieder sein.»
Der Kulturrat unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich und empfiehlt, den Titel des Nominierungsdossiers entsprechend zu erweitern. Damit könnte die Nominierung langfristig auch als politisches Signal in Ländern dienen, in denen Pride-Veranstaltungen verboten oder unter Druck sind.
Ein langer Weg bis zur Entscheidung
Bis zu einer Entscheidung ist es noch weit. Die Stiftung Pride Amsterdam muss zunächst das Nominierungsdossier ausarbeiten, unterstützt vom Kenniscentrum Immaterieel Erfgoed Nederland. Dieses Dossier muss vom gesamten niederländischen Ministerrat verabschiedet und spätestens am 31. März 2027 bei der UNESCO eingereicht werden. Eine Entscheidung der UNESCO wird frühestens Ende 2028 erwartet.
Der Zeitpunkt der Nominierung ist symbolisch passend: In diesem Jahr findet in Amsterdam zum ersten Mal die WorldPride statt, vom 25. Juli bis 8. August 2026, mit Canal Parade am 1. August und dem WorldPride Music Festival statt – mit Bebe Rexha und Paris Hilton als Headlinerinnen. Gleichzeitig feiern die Niederlanden 25 Jahre Ehe für alle. Die Frage, ob die Pride Amsterdam bald auf der UNESCO-Liste steht, gibt dem Sommer noch eine zusätzliche Dimension.
