Wir lassen uns durch Gewalt nicht verunsichern. Dies war das Motto der Teilnehmenden an der Aargauer Pride. Das Organisationskomitee hatte bereits am Montag nach der Attacke auf einen Rave in Aarau verkündet, die Demo durchzuführen – als Zeichen dafür, dass Hass und Terror niemals stärker sein dürfen als die Gemeinschaft.
Ob sich die Community einschüchtern lassen und der Demo fernbleiben würde, war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ungewiss.
Erfreulich: trotz der Verunsicherung demonstrierten am Samstag nach der Schussattacke Tausende queere Menschen in Aarau für ihre Rechte. Ihre Parole: «Ob trans, ob bi, ob schwul, ob queer: Gleiche Rechte wollen wir!»
Die Stimmung war zunächst noch gedämpft, viele der Demonstrierenden hatten Tränen in den Augen. Einige umarmten sich. Die Zugänge zum Platz waren durch Lastwagen blockiert, und ein grosses Aufgebot an Sicherheitskräften erinnerte die Teilnehmenden an die Bedrohung.
Eine Woche zuvor hatte ein geistig verwirrter Mann einen Rave im Aarauer Schachen angegriffen, sechs Menschen verletzt und eine junge Frau getötet. Das war zwar kein queerer Event, trotzdem könnten Typen mit anti-queeren Wahn die Pride attackieren, so wie dies in Berlin geschehen ist. «Diese unfassbare Gewalttat hat Aarau ins Herz getroffen», sagte Stadträtin Silvia Dell’Aquila bei der Eröffnung der Pride. «Für queere Menschen ist dieses Gefühl der Verunsicherung nicht neu. Wir kennen es – nicht erst seit letztem Sonntag», betonte die Magistratin, die selbst lesbisch ist.
Auch im Alltag stelle sich die Frage, ob man Hand in Hand durch die Stadt gehen könne oder besser unauffällig bleibe. In Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer und allen, die das miterleben mussten. Für sie und die Opfer des Anschlags in Berlin gab es eine Schweigeminute. ◀
