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US-Midterms: Der blaue Tsunami trägt Regenbogen

Politik

(Bild: Thuan Vo | Unsplash)
Trump verliert beide Kammern, und so viele queere Abgeordnete wie noch nie ziehen nach Washington.

Elf Prozentpunkte. So weit lagen die Demokraten bei den Stimmen fürs Repräsentantenhaus vorne, als knapp neun von zehn Stimmen ausgezählt waren. Zwei Jahre zuvor hatte Donald Trump die Präsidentschaftswahl noch mit anderthalb Punkten Vorsprung gewonnen. Aus der erwarteten blauen Welle der Zwischenwahlen vom 3. November ist ein Tsunami geworden. Und er schillert in allen Farben: So viele LGBTQ+-Politikerinnen und -Politiker wie noch nie ziehen in den Kongress ein.

Ein Erdrutsch bis nach Kansas

Im Senat kommen die Demokraten auf mindestens 54 der 100 Sitze, in Alaska und Mississippi wird noch gezählt. Im Repräsentantenhaus, wo 218 Sitze für die Mehrheit reichen, haben sie bereits über 250 sicher. Dass ein republikanischer Präsident bei Zwischenwahlen beide Kammern verliert, gab es zuletzt 2006 unter George W. Bush.

Gekippt sind auch Staaten, in denen Demokraten sonst nur zum Verlieren antreten. Texas schickt mit James Talarico erstmals seit 1988 wieder einen Demokraten in den Senat und bekommt zum ersten Mal seit über 30 Jahren eine demokratische Gouverneurin. Kansas, wo Trump 2024 mit mehr als 16 Punkten Vorsprung gewann, wählt erstmals seit 94 Jahren einen demokratischen Senator. Ab Januar regieren Demokraten zudem die Mehrheit der Bundesstaaten, zum ersten Mal seit 16 Jahren, darunter neun der zehn bevölkerungsreichsten. Nur Florida bleibt rot.

Wie breit der Absturz war, zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters: In 99 Prozent von rund 2200 untersuchten Bezirken schnitten die Republikaner schlechter ab als Trump zwei Jahre zuvor. Den Ausschlag gaben laut der grossen Nachwahlbefragung der Associated Press vor allem Junge unter 30 und Latinos, dazu die Lebenskosten und die Korruption in der Regierung.

Chuck Schumer, der Chef der Demokraten im Senat, machte schon am Tag danach klar, wie die nächsten zwei Jahre aussehen sollen. Wo der Präsident sich über den Willen der Bevölkerung oder über das Gesetz hinwegsetze, werde man ermitteln, ihn vor Gericht ziehen und ihn «in legislativen Stacheldraht verwickeln».

17 von 18: die Regenbogenwelle

Die schönste Zahl dieser Wahl steht in keiner Hochrechnung. Laut der Washington Blade, der ältesten LGBTQ+-Zeitung der USA, haben 17 von 18 queeren Kandidierenden für ein Amt in Washington gewonnen. Ein Rekord. Allen voran Chris Pappas, der in New Hampshire als erster offen schwuler Mann in den Senat gewählt wurde.

Neu im Repräsentantenhaus sitzt Jeremy Moss, der erste offen queere Abgeordnete aus Michigan. Indiana schickt mit JD Ford erstmals einen offen schwulen Mann nach Washington. Ford galt als Aussenseiter und hat die Republikanerin Victoria Spartz aus dem Amt gedrängt. Republikanische Sitze holen auch JoAnna Mendoza, Veteranin der Marineinfanterie, in Arizona, die bisexuelle Marni von Wilpert in Kalifornien und Cait Conley in New York, die Mike Lawler schlägt.

Wiedergewählt wurde Sarah McBride, die erste offen trans Person im Kongress, die Delaware weiterhin allein in der grossen Kammer vertritt. Ebenso Sharice Davids, Ritchie Torres, Mark Pocan, Mark Takano, Becca Balint, Eric Sorensen, Emily Randall und Robert Garcia. Garcia ist schon heute der ranghöchste Demokrat im Aufsichtsausschuss und dürfte ihn ab Januar präsidieren, jenes Gremium, das der Regierung auf die Finger schaut. Ein schwuler Latino als oberster Kontrolleur des Weissen Hauses: Darauf freuen wir uns besonders.

Auch zwei Gouverneurinnen bleiben im Amt. Maura Healey in Massachusetts und Tina Kotek in Oregon, beide lesbisch, wurden klar wiedergewählt.

Und dann ist da Alabama

Die vielleicht erstaunlichste Geschichte spielt in Huntsville. Allison Montgomery, Softwareingenieurin und trans Frau, hat dort einen Wahlkreis erobert, den Trump dreimal gewonnen hat. Ihr Gegner, der republikanische Amtsinhaber Phillip Rigsby, und die Parteispitze hatten im Wahlkampf gezielt gegen ihre Identität geschossen. Gewonnen hat sie trotzdem, mit rund 53 Prozent. Sie ist die erste trans Abgeordnete im Parlament von Alabama.

In Georgia zieht Bentley Hudgins als erste trans und nonbinäre Person ins Staatsparlament ein. Und in Montana wurde Zooey Zephyr wiedergewählt, jene trans Abgeordnete, die die Republikaner 2023 aus dem Plenarsaal verbannt hatten, nachdem sie ihnen vorgeworfen hatte, Blut an den Händen zu haben.

Ganz ungetrübt ist die Freude nicht. In Colorado lag nach der Wahlnacht eine Initiative knapp vorne, die geschlechtsangleichende Operationen bei Minderjährigen verbieten will. Die Rechte von trans Jugendlichen bleiben ein Kampffeld, auch mit einem blauen Kongress. Aber der hat ab Januar die Mittel, Trump zu bremsen. Und er war noch nie so queer.

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Veröffentlicht:

07.11.2026

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