Eine weisse Kugel heisst Ja, eine schwarze Nein. So stimmten vornehme spanische Clubs über Neuzugänge ab, und eine einzige schwarze Kugel genügte, um jemanden für immer draussen zu halten. Wer nicht ins Bild passte, bekam sie. Nach diesem kleinen Ding ist der Film benannt, über den gerade die halbe Kinowelt redet. Damit du im Kinosessel nicht nur mitweinst, sondern auch alles verstehst: hier das Wichtigste in fünf Minuten. Ohne Spoiler, versprochen.
Vier Seiten von Lorca
Federico García Lorca ist der berühmteste Dichter Spaniens, und er war schwul. In seinen letzten Lebensjahren skizzierte er ein Theaterstück über einen jungen Mann in Granada, den das Casino der Stadt, der Club der feinen Gesellschaft, wegen seiner Homosexualität abweist. Es wäre Lorcas erste offen schwule Hauptfigur gewesen. Der Titel: «La bola negra». Erhalten sind rund vier Seiten, eine Szene und eine Liste der Figuren, dazu das, was Lorca Freunden über die Handlung erzählt hat.
Warum das Stück nie fertig wurde
Im Juli 1936 bricht der Spanische Bürgerkrieg aus. Wenige Wochen später, im August, wird Lorca bei Granada von Francos Leuten erschossen. Sein Grab wurde bis heute nicht gefunden. Genau ein Jahr nach ihm stirbt Rafael Rodríguez Rapún, sein Geliebter, an Kriegsverletzungen in einem Militärspital bei Santander. Über Rapúns letzte Stunden hat der Autor Alberto Conejero das Theaterstück «La piedra oscura» geschrieben, und auch das steckt im Film. Dass Männer wie Lorca und Rapún danach jahrzehntelang verschwiegen wurden, dafür sorgte die Franco-Diktatur.
Drei Männer, drei Zeiten
Aus diesen Bruchstücken haben Los Javis zusammen mit Conejero einen Film über drei Generationen gebaut.
1932 will Carlos (Milo Quifes) in Granada endlich dazugehören. Das ist Lorcas Geschichte.
1937, mitten im Krieg, findet Sebastián (Guitarricadelafuente) Nähe ausgerechnet auf der anderen Seite der Front. Hier spielt Miguel Bernardeau den echten Rafael Rodríguez Rapún.
2017 stösst Alberto (Carlos González) auf ein Familiengeheimnis, das lange begraben war.
Wie die drei zusammenhängen, verraten wir nicht. Nur ein Tipp: Der Film springt zwischen den Zeiten hin und her, die Namen lohnt es sich zu merken.
Von der Drag-Race-Jury nach Cannes
Javier Calvo und Javier Ambrossi, in Spanien nur «Los Javis», kennt man als Jury von «Drag Race España» und als Macher der Kultserien «Paquita Salas» und «Veneno» über die trans Ikone Cristina Ortiz. «La Bola Negra» ist erst ihr zweiter Kinofilm nach «La Llamada», und gleich ein Volltreffer: Im Mai gewannen sie in Cannes den Preis für die beste Regie, geteilt mit Paweł Pawlikowski. Aus Spanien hatte das vor ihnen nur Pedro Almodóvar geschafft, 1999. Seither sammelt der Film Publikumspreise in Toronto und San Sebastián, und Spanien schickt ihn ins Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film. Mehr dazu in unserem Überblick zur queersten Oscar-Saison aller Zeiten. Privat sind die beiden übrigens seit 2025 kein Paar mehr, als Team machen sie weiter.
Ein Popstar, ein Schönling, zwei Diven
Sebastián spielt der spanische Sänger Guitarricadelafuente, zum ersten Mal überhaupt vor der Kamera. Den Song «La Nieve» steuert er gleich selbst bei. Miguel Bernardeau, bekannt aus «Élite», hat schon vor dem Kinostart für Gesprächsstoff gesorgt: Was es mit seiner Nacktszene auf sich hat, haben wir hier aufgeschlüsselt. Für Glamour sorgen Penélope Cruz als Nené Romero, die im Film singt und tanzt, und Glenn Close als Isabelle. Dazu kommen Julio Torres («Problemista») und Lola Dueñas.
Gut zu wissen fürs Kino
Der Film läuft ab 19. November in den Schweizer Kinos, auf Spanisch mit Untertiteln. Er dauert 155 Minuten, also vorher noch kurz aufs WC. In den USA und Kanada kommt er am 2. Dezember auf Netflix, ein Termin für die Schweiz steht noch aus. Wer nicht warten mag: Am Samstag, 14. November, zeigen wir «La Bola Negra» als Vorpremiere im Arthouse Le Paris in Zürich. Wir verlosen 10 × 2 Tickets, hier kannst du mitmachen. Noch nicht in Stimmung? Dann schau zuerst den Trailer. Und pack Taschentücher ein.
