Die queerste Oscar-Saison aller Zeiten?

Film

Bild: Coward | Cannes Film Festival
Von Spanien bis Nepal: Die Oscar-Saison 2027 könnte so queer und international werden wie kaum eine zuvor. Acht Filme erzählen von Begehren, Identität, Widerstand und queeren Leben – in völlig unterschiedlichen Welten.

In einer Zeit, in der queere Menschen in vielen Teilen der Welt wieder stärker unter Druck geraten, setzt das Kino einen bemerkenswerten Kontrapunkt. Queere Geschichten finden ihren Weg auf die grossen Leinwände – und kommen dabei längst nicht mehr nur aus Hollywood. Diese acht Filme führen uns nach Spanien, Belgien, Brasilien, Paraguay, Nepal, Österreich und in die USA. Ihre Geschichten könnten unterschiedlicher kaum sein – und genau das macht sie so spannend.

1. La Bola Negra – Spanien

Drei Männer, drei Epochen und ein Familiengeheimnis: La Bola Negra erzählt über mehrere Generationen hinweg von Liebe, Begehren und dem, was verschwiegen wird. Regie führen Javier Ambrossi und Javier Calvo, das spanische Duo hinter der queeren Kultserie Veneno. Mit dabei sind unter anderem Penélope Cruz und Glenn Close. Der Film wurde in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet und ist Spaniens Oscar-Beitrag.

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2. Coward – Belgien

Nach dem gefeierten Close widmet sich Lukas Dhont erneut einer intensiven Beziehung zwischen zwei jungen Männern. Dieses Mal führt die Geschichte mitten in den Ersten Weltkrieg: Zwischen den Soldaten Pierre und Francis entwickelt sich in den Schützengräben eine Verbindung, die über Freundschaft hinausgeht. Die beiden Hauptdarsteller Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden in Cannes gemeinsam ausgezeichnet. Ein Kriegsfilm, bei dem Nähe und Verletzlichkeit wichtiger sind als Schlachten.

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3. Feito Pipa – Brasilien

Der zwölfjährige Gugu entdeckt gemeinsam mit seiner Grossmutter eine versunkene Welt – und gleichzeitig seine eigene Identität. Als das Wasser eines brasilianischen Stausees zurückgeht, tauchen die Ruinen eines überfluteten Dorfes wieder auf. Regie führt Allan Deberton; neben dem jungen Yuri Gomes sind die brasilianischen Stars Lázaro Ramos und Teca Pereira zu sehen. Eine Coming-of-Age-Geschichte über Familie, Erinnerung und das Recht, man selbst zu sein.

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4. Who Killed Narciso? – Paraguay

1959 wird der beliebte Radiostar Narciso tot aufgefunden. Der charismatische Mann, der Männer wie Frauen begehrt und zum Star einer jungen Generation geworden ist, lebte im Paraguay der Diktatur – und damit in einer Gesellschaft, in der seine Freiheit gefährlich werden konnte. Regisseur Marcelo Martinessi (Las Herederas) verbindet Mystery mit einem Stück queerer Geschichte. Der Film basiert auf einer realen Figur und wurde 2026 an der Berlinale ausgezeichnet.

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5. Elephants in the Fog – Nepal

Im nepalesischen Dschungel kämpft Pirati, die Matriarchin einer Kinnar-Gemeinschaft, um ihre Familie. Als eines ihrer Mitglieder verschwindet, gerät ihre Gemeinschaft ins Wanken. Regisseur Abinash Bikram Shah erzählt von einer queeren Familie, die sich ihre eigenen Regeln geschaffen hat. Der Film schrieb dabei selbst Geschichte: Er war der erste nepalesische Spielfilm im offiziellen Cannes-Programm.

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6. Rose – Österreich

Nach dem Dreissigjährigen Krieg taucht in einem abgelegenen Dorf eine mysteriöse Person auf: Rose behauptet, der Erbe eines verlassenen Gutshofs zu sein – lebt jedoch unter einer männlichen Identität. Regisseur Markus Schleinzer erzählt eine düstere Geschichte über Identität, Überleben und Zugehörigkeit. In der Hauptrolle: Sandra Hüller, bekannt aus Anatomie eines Falls und The Zone of Interest. Österreich schickt den Film ins Oscar-Rennen.

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7. Elsinore – USA

Andrew Scott wird zu Ian Charleson, dem britischen Schauspieler, der Ende der 1980er-Jahre Hamlet spielt, während er mit AIDS lebt. Zwischen Theater, Krankheit und öffentlichem Leben erzählt Simon Stone die letzten Monate eines Schauspielers, der seine Homosexualität und seine Erkrankung öffentlich machte – zu einer Zeit, in der das enorm viel Mut erforderte. Neben Scott spielen Olivia Colman, Johnny Flynn und Heartstopper-Star Joe Locke.

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8. Club Kid – USA

Ein chaotischer New Yorker Club-Promoter, ein ausschweifendes Nachtleben – und plötzlich ein zehnjähriger Sohn, von dessen Existenz er nichts wusste. Jordan Firstman schrieb, inszenierte und spielt die Hauptrolle in dieser queeren Komödie über Verantwortung, Familie und Erwachsenwerden. Mit dabei sind Cara Delevingne, Diego Calva und Kirby Howell-Baptiste. Die Premiere in Cannes brachte den Film anschliessend zu A24.

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Queeres Kino kennt keine Grenzen

Was diese Filme verbindet, ist nicht ein bestimmter Stil oder eine einzige Vorstellung von Queerness. Es sind acht völlig verschiedene Geschichten aus acht unterschiedlichen Filmwelten – von der europäischen Vergangenheit über Diktatur und AIDS bis hin zu Clubkultur und Coming-of-Age.

Vielleicht ist genau das die spannendste Nachricht für 2027: Queeres Kino ist längst kein Nischenprogramm mehr. Es kommt aus allen Ecken der Welt – und will gesehen werden.

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Veröffentlicht:

29.09.2026

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