Grindr will längst mehr sein als eine App für Dates und Hook-ups. Für 250 Millionen US-Dollar übernimmt das Unternehmen PurposeMed, die Muttergesellschaft des auf HIV-Prävention spezialisierten Telemedizinanbieters Freddie. Weitere bis zu 70 Millionen Dollar könnten abhängig von der Geschäftsentwicklung dazukommen.
Im Zentrum steht PrEP, die HIV-Prophylaxe, die bei korrekter Einnahme das Risiko einer HIV-Infektion um bis zu 99 Prozent senken kann. Über den neuen Bereich «Health» können Nutzer in den USA und Kanada bereits mit medizinischem Fachpersonal sprechen, Tests organisieren, ein Rezept erhalten und sich die Medikamente nach Hause liefern lassen. Für viele Versicherte soll die Versorgung kostenlos oder mit geringen Eigenkosten möglich sein.
Gesundheit dort, wo die Community ist
Grindr setzt dabei auf einen einfachen Gedanken: Wer Millionen Menschen aus der queeren Community täglich erreicht, kann auch den Zugang zu Prävention erleichtern. In den USA nehmen derzeit rund 650’000 Menschen PrEP, obwohl geschätzte 2,2 Millionen davon profitieren könnten. Freddie soll helfen, diese Lücke zu verkleinern.
Das Unternehmen wurde 2020 in Kanada gegründet und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 55’000 Patient in Kanada und den USA mit PrEP versorgt. Nun sollen Freddie und Grindrs bestehendes Gesundheitsangebot Woodwork unter «Grindr Health» zusammengeführt werden.
Für die Schweiz ist das Angebot derzeit nicht verfügbar. Trotzdem ist der Schritt bemerkenswert: Eine Dating-App wird zur Schnittstelle für medizinische Versorgung – und macht sexuelle Gesundheit zu einem festen Bestandteil ihrer Plattform.
Damit kommt allerdings auch eine heikle Frage auf: Wie viel Gesundheitsversorgung soll über eine kommerzielle Dating-Plattform laufen? Gerade bei HIV und sexueller Gesundheit sind Vertrauen, Privatsphäre und der Umgang mit sensiblen Daten entscheidend. Grindr betont, dass die Nutzung der Gesundheitsangebote freiwillig ist und Freddie-Patient nicht Grindr nutzen müssen.
Der 250-Millionen-Dollar-Deal ist deshalb mehr als ein Zukauf. Er zeigt, wohin Grindr will: weg von der reinen Dating-App – hin zu einer umfassenden Plattform für das queere Leben.
