Manchmal erzählt ein Film nicht nur eine Geschichte, sondern erinnert an Menschen, die viel zu früh gehen mussten. Elsinore widmet sich dem schottischen Schauspieler Ian Charleson, dessen letzte grosse Rolle als Hamlet zu einem Vermächtnis wurde – und dessen Leben 1990 im Alter von nur 40 Jahren an den Folgen von AIDS endete.
In der Hauptrolle ist Andrew Scott zu sehen, bekannt aus Fleabag und All of Us Strangers. Unter der Regie von Simon Stone zeichnet der Film Charlesons Kampf nach, trotz seiner Erkrankung eine herausragende Bühnenleistung zu vollenden. An seiner Seite spielt Olivia Colman die Ärztin Margaret Johnson, die ihn während dieser Zeit begleitet. Im Zentrum steht ein Mensch, der sich angesichts des nahenden Todes nicht auf seine Krankheit reduzieren lassen will, sondern weiterhin selbst bestimmen möchte, wie er lebt und arbeitet.
Besonders eindringlich ist die Verbindung zwischen Charlesons persönlichem Schicksal und seiner Rolle als Hamlet – einer Figur, die sich mit Sterblichkeit und dem Sinn des Lebens auseinandersetzt. So wird das Theater zur Bühne für eine zutiefst menschliche Geschichte über Würde, Selbstbestimmung und die Kraft der Kunst.
Doch Elsinore könnte auch über die Leinwand hinaus Bedeutung erlangen. Sollte Andrew Scott für seine Darstellung den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen, wäre er der erste offen schwule Mann, dem dies in dieser Kategorie gelingt. Eine solche Auszeichnung wäre auch vor dem Hintergrund der Filmgeschichte bemerkenswert, in der queere Schauspielerinnen und Schauspieler lange mit der Erwartung konfrontiert waren, ihre Identität nicht zum Mittelpunkt ihrer öffentlichen Wahrnehmung werden zu lassen.
Ob es tatsächlich zu diesem Oscar-Moment kommt, bleibt offen. Schon jetzt erinnert Elsinore jedoch an einen Künstler, dessen letzte grosse Darbietung weit über das Theater hinauswirkte. Der Film erzählt von Verlust, aber auch davon, was bleibt, wenn ein Mensch seine Geschichte selbst mitgestaltet – bis zum Schluss.
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