Kerkeling, Herbst und Yardim in einer Gesellschaftssatire, die auf einem der meistgespielten Theaterstücke beruht? Das kann nur komisch werden!
Zumal die Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob gefragte Pointenlieferanten für TV-Comedy von «Stromberg» über «Ladykracher» bis zur «ZDF heute-show» sind.
Missgunst, Hass und Häme beherrschen den Alltag der Republik, wie im Splitscreen zum Vorspann gezeigt wird. «Nur bei uns im Club ist alles in Ordnung», weiss die Erzählerstimme. Gemeint ist der Tennisclub Lengenheide, den Heribert (Hape Kerkeling) seit 25 Jahren als Vorsitzender leitet. Seine Wiederwahl scheint ebenso gesetzt wie jene des Stellvertreters oder die geplante Anschaffung eines neuen Grills.
Doch denkste! Denn die erfolgreiche Spielerin Melanie (Anja Knauer) fordert überraschend, dass für ihren Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), den einzigen Muslim im Verein, ein eigener Grill beschafft wird. «Wenn das Schwein drauf war, dann ist der Grill versaut!», kalauert Melanies Gatte Torsten (Christoph Maria Herbst). Aber schnell ist Schluss mit lustig.
Der Streit ums Grillgut mutiert zur erbitterten Debatte über Glauben und Geschlechter. «Solange man noch gemeinsam lachen kann, ist es eigentlich noch nicht zu spät», versucht der Vorsitzende zu schlichten. Doch die Masken fallen – und die Debatte eskliert vollends.
Das clever konstruierte Figurenkabinett setzt auf provokative Ambivalenz statt auf gefälliges Abnicken. Da kann der rechte Kotzbrocken bisweilen mit Argumenten punkten, während die woken Gutmenschen selbstgefällig in ihrer Echokammer verhocken.
Damit die Satire nicht zum braven Botschaftskino verkommt, sorgen smarte Dialoge für erfrischende Provokationen – sei es beim «theoretischen Grill für theoretische Schwule» oder beim Motto: «Wir haben eine Krise. Da kann man sich Haltung nicht erlauben.»
Damit dieser Balanceakt gelingt, braucht es eine spielfreudige Crew. Kerkeling, Herbst und Yardim beweisen mit charismatischer Lässigkeit, dass sie zur Comedy-Champions-League gehören.
Das konnte ja nur urkomisch werden.
