Dem Hass zum Trotz: Wir feiern die Liebe

Community

Bild Georg Wendt/dpa via AP
Trotz islamistischer Gewalt und offenem Hass im Netz zeigt die queere Community Haltung: In Hamburg und Amsterdam feiern Hunderttausende Vielfalt, Liebe und den Mut, sichtbar zu bleiben.

Der grauenhafte islamistische Anschlag auf den Berliner CSD hat die Community zutiefst erschüttert. Was ist das nur für eine Vorstellung von Religion, die junge Männer zu derart irrsinnigen Hasstaten bewegt? Wie kann es sein, dass Menschen wirklich glauben, sie könnten als Mörder zu Märtyrern werden, die im Paradies mit Jungfrauen beglückt werden?

Die Community wird andauernd verbal und auch körperlich angegriffen. Doch sie lässt sich dadurch nicht unterdrücken. Das bewies der CSD in Hamburg. Unter dem topaktuellen Motto «Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!» zogen 300‘000 Menschen friedlich demonstrierend durch die Hansestadt.

Mitgefühl: Trauern um die Opfer in Berlin.

500‘000 an der Canal Parade

Ein Zeichen der Resilienz setzte auch die World Pride in Amsterdam. Am Samstag schipperte die traditionelle Canal Parade mit 80 bunt geschmückten Booten vor 500‘000 Besuchenden durch die Grachten.

Der schwule Ministerpräsident Rob Jetten rief junge LGBTQ+-Personen bei der Veranstaltung auf, das Coming-out zu wagen. Das sei zwar nicht einfach, «aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser».

Der 39-Jährige räumte ein, dass die Community zunehmend unter Druck gerate. Umso wichtiger sei es, sichtbar zu bleiben und gegen Anfeindungen zu protestieren.

Der schwule Ministerpräsident der Niederlande Rob Jetten strahlend an der Canal Parade. (Bild Pride Amsterdam | Official Facebook Page)

Ungefilterter Hass im Netz

Toleranz für queere Menschen ist leider nicht selbstverständlich. Das bewiesen viele Kommentare, zum Beispiel auch auf Facebook. Da gab es einerseits Beileidsbekundungen und Kritik am islamistischen Hintergrund des Attentats und am Versagen der Politik. Aber sehr schnell kamen (fast ausschliesslich aus dem Osten Deutschlands und von Putin- und AfD-Verstehern) Kommentare, welche die Opfer zu Tätern machten: «Die sind doch selber schuld, wenn sie ihre Sexgelüste so offen präsentieren», «schade, hat es nicht noch mehr erwischt» oder «wer nicht hören will, muss fühlen».

Der AfD-Vize Sven Tritschler beschimpfte den CSD gar als «staatlich gehätschelte Feier der Verkommenheit».

In den Unsozialen Medien zeigt sich die Fratze des Hasses. Und das ganz ungeschminkt. Kämpfen wir weiter!

DISPLAY Online

Redaktion
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

24.09.2026

Weitere Artikel zum Thema

Politik

15.11.2025

News

Sky hat eine vierteilige Doku-Serie zur Hochzeit von Ralf Schumacher und Étienne Bousquet-Cassagne angekündigt. Der Titel: «Ralf & Étienne: Wir sagen Ja.»
16.04.2026

Politik

Der Sommer 2026 bringt ein neues Unbehagen: Von der Debatte um Leihmutterschaft bis zum europaweiten Backlash gegen queere Rechte zeigt sich eine widersprüchliche Stimmung. Politische Inszenierung, Konzerne, Schulpolitik und Gewalt verschärfen die Unsicherheit
06.09.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.