«Let’s Get Married»: Schwarz-Weiss, heisse Jungs und ganz viel Miley
Und als hätte Bass Persuades nicht schon genug Attitude, serviert Miley zum Album gleich noch das passende visuelle Fiebertraum-Äquivalent: Das Video zu «Let’s Get Married» ist pures Schwarz-Weiss-Glamourkino. Im legendären Chateau Marmont wird geknutscht, getanzt, gefeiert und gekuschelt – Boys mit Boys, Girls mit Boys, heisse Oberkörper, Betten, Badewannen und eine Party-Crew, die aussieht, als hätte sie gerade eine Einladung zu Hollywoods verruchtester Afterparty bekommen.
Alles wirkt wie ein Vintage-Rock’n’Roll-Film auf Speed: sexy, verspielt und herrlich hemmungslos. Und mittendrin natürlich Miley – mit ihrer ikonischen Face Card, ihren Moves und dieser ganz eigenen Fähigkeit, selbst im grössten Party-Chaos auszusehen, als gehöre ihr der ganze
Raum. Regisseur Mert Alas macht daraus keine klassische Hochglanz-Romanze, sondern eine Feier von Lust, Liebe und Lebensfreude. Genau die Sorte «Let’s get married»-Energie, bei der man sich fragt: Wo ist eigentlich unsere Einladung?
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Mehr InformationenDie neue Miley: mehr Bass, weniger Sicherheitsnetz
Miley Cyrus hat offenbar keine Lust, es sich musikalisch gemütlich zu machen. Nach Something Beautiful dreht Bass Persuades die Regler noch weiter auf: Aus der theatralischen Glamourwelt des Vorgängers wird eine dunklere, körperlichere Klanglandschaft. Weniger Spiegelkabinett, mehr Dancefloor.
Der Bass ist dabei nicht bloss Begleitung, sondern Hauptdarsteller. Er pumpt durch die Songs, während Miley zwischen laszivem Flüstern, dramatischem Belting und ihrem gewohnt rauen Rock’n’Roll-Growl wechselt. Das Album klingt nach jener Uhrzeit im Club, zu der aus «nur noch ein Drink» längst «Wann ist eigentlich Sonnenaufgang?» geworden ist.
Besonders spannend wird es, wenn Miley ihre Komfortzone verlässt. «Different Religion» mit Model/Actriz bringt eine industrielle, beinahe abrasive Note ins Spiel, während andere Tracks stärker auf elektronische Texturen und dunkle Pop-Melodien setzen. Gleichzeitig bleibt Miley ihrem Popinstinkt treu. Experiment trifft auf grosse Melodien, Härte auf Verletzlichkeit.
Auch die ruhigeren Momente funktionieren: «Orbit», «Let’s Get Married» und «Snow» holen das Album immer wieder zurück in intimere Gefilde. «REDLIGHTS» verbindet schliesslich beide Welten und zeigt, wie gut Miley körperliche Energie und grosses Pop-Drama zusammenbringt.
Im Vergleich zu Something Beautiful wirkt Bass Persuades reifer und intensiver. Miley kopiert ihren letzten Sound nicht, sondern entwickelt dessen Lust an Glamour, Atmosphäre und Experiment weiter – diesmal mit deutlich mehr Elektronik und einer dunkleren Note.
Und ja, das hat etwas herrlich Queeres. Nicht unbedingt, weil es ein «Queer-Album» wäre, sondern weil Miley sich weigert, nur eine Version ihrer selbst zu sein. Glamour darf übertrieben sein, Gefühle dürfen riesig werden, Genres dürfen ineinanderlaufen. Ihre musikalische Identität wechselt hier fast so selbstverständlich wie ein Drag-Outfit: Electro, Rock, Ballade – Hauptsache, der Look sitzt.
Ganz makellos ist die Reise nicht. Die stilistische Vielfalt macht das Album aufregend, lässt aber auch einige Momente weniger zwingend wirken. Doch vielleicht passt genau dieses kontrollierte Chaos zu Miley. Sie klingt nicht, als wolle sie allen gefallen. Sie will Atmosphäre, Bewegung und Drama.
Und offensichtlich will sie, dass der Bass entscheidet.
Album-Rating: ★★★★☆ 4/5
Glam, Groove und kontrolliertes Chaos: Miley muss nicht jedes Risiko perfekt landen. Spannender ist, dass sie überhaupt wieder welche eingeht.
