Tucson – Kurz nach Mitternacht wurde die queere Bar Venture-N im US-Bundesstaat Arizona zum Schauplatz tödlicher Gewalt. Auf dem Parkplatz des seit Jahrzehnten bekannten LGBTQ+-Treffpunkts erschoss der 44-jährige Ousman Ceesay zwei Männer: den 42-jährigen Vincent Anthony Siqueiros und den 33-jährigen Cameron Davis Capara. Beide starben noch am Tatort. Ceesay schoss anschliessend auf sich selbst und erlag später im Spital seinen Verletzungen. Damit forderte die Tat insgesamt drei Todesopfer.
Was zunächst wie eine tödliche Auseinandersetzung vor einer Bar wirkte, nahm mit den Ermittlungen eine noch beunruhigendere Dimension an. Bei Ceesay fanden die Behörden eine Notiz mit den Namen beziehungsweise Adressen mehrerer LGBTQIA+-freundlicher Geschäfte und Treffpunkte. Nach einer Durchsuchung seiner Wohnung kamen die Ermittler zum Schluss, dass Ceesay allein gehandelt haben dürfte und offenbar weitere Menschen ins Visier nehmen wollte. Die Polizei stuft die Tat deshalb als gezielten Angriff aus Hass auf die LGBTQIA+-Community ein.
Ein Ort der Sicherheit wird zum Tatort
Venture-N ist für die queere Community von Tucson weit mehr als eine Bar. Der Treffpunkt gehört seit Jahrzehnten zur lokalen LGBTQ+-Szene und war für viele ein Ort, an dem Freundschaften, Gemeinschaft und ein Gefühl von Sicherheit entstanden.
Nach der Tat legten Angehörige, Freund und Mitglieder der Community Blumen und Kerzen vor dem Lokal nieder. Die Trauer ist gross – ebenso die Verunsicherung. Für viele ältere queere Menschen erinnert der Angriff an frühere Zeiten, in denen Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTQ+-Personen noch stärker zum Alltag gehörten.
Die Behörden versuchen unterdessen, die Angst in der Community einzudämmen. Die Polizei hat ihre Präsenz rund um LGBTQ+-Einrichtungen in Tucson verstärkt und betont, dass derzeit keine anhaltende Gefahr für die Öffentlichkeit bekannt sei.
Die Namen der beiden Opfer stehen inzwischen im Zentrum der Trauer. Vincent Anthony Siqueiros war laut Berichten seit vielen Jahren Teil der Szene rund um Venture-N. Cameron Davis Capara war als Fotograf in Tucson aktiv und in der lokalen Community engagiert. Vor dem Lokal erinnert ein wachsendes improvisiertes Mahnmal an beide Männer.
Der Angriff löst auch Erinnerungen an andere tödliche Anschläge auf queere Orte in den USA aus – etwa den Anschlag auf den Club Q in Colorado Springs 2022 oder das Massaker im Pulse-Nachtclub in Orlando 2016. Für die LGBTQ+-Community sind Bars und Clubs nicht einfach Ausgehorte: Sie sind Räume für Begegnung, Zugehörigkeit und Schutz.
In Tucson soll eine Mahnwache der Community Gelegenheit geben, gemeinsam zu trauern. Und vielleicht auch ein Zeichen zu setzen: Angst soll nicht das letzte Wort haben.
