Es ist ein kleiner Ort mit grosser Symbolkraft. Auf dem Friedhof Sihlfeld, wo Zürich bereits seit einiger Zeit über ein schweizweit einmaliges Regenbogen-Grabfeld verfügt, steht seit Donnerstag ein neues Denkmal. Errichtet von der queeren Gemeinschaft für die queere Gemeinschaft – und darüber hinaus für alle, die verstehen wollen, was auf dem Spiel steht, wenn Vielfalt zur Zielscheibe wird.
Initiiert wurde das Projekt von HAZ – Queer Zürich, getragen von einem breiten Bündnis aus queeren Organisationen und Religionsgemeinschaften. Der Stein soll zweierlei leisten: Er erinnert an Menschen, die Opfer von queerfeindlicher Gewalt oder Ausgrenzung wurden, und er ehrt jene, die sich – oft unter grossem persönlichem Risiko – für die Rechte der Community eingesetzt haben und einsetzen.
Handarbeit als Statement
Bemerkenswert ist, wie das Denkmal entstanden ist: Rund zwanzig Freiwillige aus der queeren Gemeinschaft haben unter der künstlerischen Leitung von Judith Schröter und Regine Brandt selbst Hand angelegt, gefräst und geschliffen. Kein anonymer Auftrag an ein Atelier also, sondern ein kollektiver Akt – der Stein trägt buchstäblich die Spuren vieler Hände. Diese Entstehungsgeschichte passt zum Anliegen des Projekts: Erinnerung als gemeinsame, aktive Arbeit zu verstehen, nicht als stille Geste.
Zur Einweihungsfeier am Abend kamen prominente Stimmen zusammen. Stadtpräsident Raphael Golta sprach ebenso wie Drag Queen Mona Gamie – eine Kombination, die zeigt, wie breit das Anliegen mittlerweile in der Stadt verankert ist: von der offiziellen Politik bis zur Bühnenkunst.
Ein Fingerzeig an die nächste Generation
Für die Initiantinnen und Initianten ist der neue Ort mehr als ein Rückblick. Er soll auch als Mahnung und Ansporn für jüngere Menschen dienen: Die Rechte, die heute selbstverständlich erscheinen, waren es nie – sie wurden hart erkämpft und müssen es auch in Zukunft bleiben. In einer Zeit, in der queerfeindliche Stimmen in Teilen Europas wieder lauter werden, ist das kein rein symbolischer Gedanke.
Mit dem Memorial verbindet Zürich damit zwei Dinge, die selten so eng zusammengedacht werden: Trauer und Widerstand, Verlust und Ermutigung. Ein Ort zum Innehalten – und zum Weiterkämpfen.
