Mein erster grosser männlicher Schwarm war ein Action Man.
Ich war damals zehn Jahre alt und total verknallt in meinen starken Action Man.
Er war einfach perfekt. Allein schon seine Muskeln, sein entschlossener Blick und sein durchtrainierter Körper liessen mich dahinschmelzen. Während andere Kinder mit ihm Abenteuer nachspielten, interessierte ich mich zunehmend für andere Details.
Besonders faszinierte mich, dass man ihn ausziehen konnte. Plötzlich war da nicht mehr nur ein Actionheld, sondern ein Mann mit breiten Schultern, definierten Muskeln und – was mein zehnjähriges Ich besonders bemerkenswert fand – markanten Nippeln! Warum ich das so spannend fand, konnte ich damals nicht erklären. Aber ich verbrachte auffallend viel Zeit damit, diese Actionfigur genauer zu betrachten.
Dieser Kerl bekam definitiv mehr Aufmerksamkeit als meine anderen Spielsachen. Rückblickend war er vermutlich mein erster sicherer Raum, um eine Faszination für Männlichkeit zu entdecken, lange bevor ich Begriffe wie «schwul» oder «queer» kannte.
Heute muss ich darüber schmunzeln. Mein erster Crush war weder Sänger noch Schauspieler, sondern ein Plastik-Soldat aus den 90ern. Aber vielleicht macht genau das die Geschichte so besonders: Manchmal kündigt sich die eigene Queerness auf unerwartete Art an.
Bis heute erinnert mich dieser Action Man daran, dass Selbstfindung oft viel früher beginnt, als man denkt – und manchmal zwischen Spielzeugkisten und Kinderzimmerteppichen.
Zwei Jahre später entdeckte ich den sensiblen und schüchternen Joshua Jackson als Pacey Witter in der Fernsehserie Dawson’s Creek. Und so mit 14 träumte ich vom rebellischen Tim Sander als Kai Scholl bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten.
Wenn ich heute darüber nachdenke, erkenne ich ein Muster. Die Mischung aus Lässigkeit, Freiheit und einer gewissen Unbekümmertheit zog mich an.
Fabio «Huwy» Huwyler, 38, ist ein Hansdampf in allen queeren Gassen.
Der Community-Aktivist, Sozialpädagoge und Medienmensch hat sich bei diversen Community-Projekten engagiert, unter anderem bei «LesBiSchwul Zug», bei «It Gets Better Switzerland», bei QueerUp Radio und als Chefredaktor beim HAZ-Magazin.
Momentan wirkt Fabio bei der Kommunikation von hab queer Bern mit und bastelt hobbymässig Apps. Er wohnt mit seinem Mann in Bern.
▶ Infos: fabiohuwyler.ch
Fabio war fasziniert vom muskulösen Action Man.
Später fand er sensible, aber auch rebellische Seriendarsteller wie Joshua Jackson und Tim Sander spannend.
