Auf dem Wickeltisch der Kunstgeschichte. Frantiček Klossner interagiert mit klassischen Skulpturen. Performance, 1996. Fotografie aus der Serie «His- & Herstory», Sammlung des Kunstmuseums Bern.
Eros weiss nicht, was er entdeckt, er muss es berühren und ertasten. Performance zum Thema Kunst, Gender und das Bild des Mannes. Kunstmuseum Bern.
Auflösung als Thema
Zu Klossners bekanntesten Motiven gehören die «Melting Selves». Das sind Selbstporträts, aber nicht etwa aus Stein oder Stahl, sondern aus Eis. Sie verändern sich vor den Augen der Betrachtenden, schmelzen und verschwinden schliesslich ganz. Ein starkes Memento mori, eine Ermahnung an die Vergänglichkeit allen Seins.
Aus Sicht des Künstlers hat diese Art der Kunst allerdings auch eine stark erotische und lebensbejahende Komponente: «Ich schmelze, also bin ich».
Erforschung der Maskulinität
In seinen Werken exponierte sich Klossner auch selbst und setzte sich in Performances mit von der darstellenden Kunst transportierten Maskulinitätsregeln auseinander.
Dem Bild des Mannes widmen sich auch seine «Eingemachten Männer». Sie wirken einerseits appetitanregend, die Männer präsentieren sich als Snack, bereit zum Vernaschen. Das hat aber natürlich, wie immer bei Klossner, gleichzeitig eine absurde, makabre Komponente. Humor und Kritik sind bei ihm Geschwister.
Das Berner Network-Mitglied nutzte den Körper oft direkt als Leinwand. Klossner zeichnete Meilensteine der Kunstgeschichte auf die Bäuche von Freunden, wobei der Bauchnabel im Zentrum steht. Er ist aus der Nabelschnur gebildet, der lebensnotwendigen vorgeburtlichen Verbindung zur Nahrung.
Seine Erforschung des menschlichen Seins umfasst sogar Röntgenstrahlen oder die Analyse der eigenen DNA, um das Körperinnere und die biologische Identität sichtbar zu machen.
Klossners Kunst ist vieles: Denkanstoss, Provokation, Kritik. Bloss langweilig ist sie nie.
Vielfältige Lehraufträge
Klossners Lehrtätigkeit an Schweizer Kunsthochschulen begann 1993 mit einem Lehrauftrag für Videokunst an der F+F Kunstschule in Zürich. Nach seiner Tätigkeit für die Expo.02 übernahm er Lehraufträge an der Kunsthochschule Nordwestschweiz und an der Hochschule der Künste Bern. Seit 2024 leitet er in Schweden das Projekt ART CARE an der Medizinischen Fakultät der Universität Lund in Kooperation mit der Königlichen Physiographischen Gesellschaft.
Vielfältige Techniken
Frantiček Klossner arbeitet in den Bereichen Videokunst, Skulptur, Installation, Zeichnung und Visual Poetry. Sein Schaffen ist durchdrungen von existenziellen Fragen. Der Körper agiert darin als Repräsentant für die Prozesse mentaler Individuation und gesellschaftlicher Interdependenzen.
Zu seinen bekanntesten Werkgruppen gehören die auf dieser Seite gezeigten «Melting Selves». Die in Eis gefrorenen Selbstporträts erzählen, worum es ihm in seiner Kunst geht: um die Metamorphosen des Lebens, um das Ich im Übergang.
Im Verlag Scheidegger & Spiess in Zürich ist vor kurzem eine grosse Monografie zu Klossners Gesamtwerk erschienen: Menschliche Aggregatzustände. Ich schmelze, also bin ich! Das Buch ist bei SEC 52 in Zürich erhältlich sowie im Online-Buchhandel.




