Könnte Grossbritannien bald einen schwulen Premier haben?

Politik

Offizielles Porträtfoto von Wes Streeting, Labour-Abgeordneter und ehemaliger britischer Gesundheitsminister, im dunkelblauen Anzug vor grauem Hintergrund.
Wes Streeting, ehemaliger britischer Gesundheitsminister und Labour-Kandidat – er könnte der erste offen schwule Premierminister Grossbritanniens werden. (Bild: Wesley Streeting ©House of Commons)
Wes Streeting hat als britischer Gesundheitsminister demissioniert und seine Kandidatur für die Labour-Führung erklärt. Sollte er gewinnen, wäre er der erste offen schwule Premierminister Grossbritanniens.

Am 14. Mai 2026 trat Wes Streeting als britischer Gesundheitsminister zurück. In seinem Rücktrittsschreiben an Keir Starmer schrieb er, es sei «offensichtlich», dass Starmer die Labour Party nicht in die nächste Unterhauswahl führen werde. «Wo wir Vision brauchen, gibt es ein Vakuum. Wo wir Richtung brauchen, gibt es Drift.» Zwei Tage später erklärte er in London öffentlich: «Wir brauchen einen richtigen Wettbewerb mit den besten Kandidaten auf dem Spielfeld – und ich werde antreten.»

Sollte er den Labour-Führungswettbewerb gewinnen und als Chef der Mehrheitspartei das Vertrauen des Unterhauses hinter sich vereinen, wäre er der erste offen schwule Premierminister Grossbritanniens. Noch ist es aber nicht so weit. Starmer lehnt jeden Rücktrittsfahrplan ab, und ein formeller Wettbewerb beginnt erst, wenn ein Herausforderer die Unterstützung von mindestens 20 Prozent der Labour-Abgeordneten – derzeit 81 MPs – vorweisen kann.

Labour in der Krise

Der Druck auf Starmer begann nach den Kommunalwahlen vom 7. und 8. Mai 2026, bei denen Labour schwere Verluste einsteckte. Reform UK gewann mehr als 1000 Ratssitze in England. In den Tagen danach forderten mehr als 80 Labour-Abgeordnete öffentlich Starmers Rücktritt, vier Ministerialhelfer traten zurück. Streeting war der erste Kabinettsminister, der folgte.

Sein wichtigster Konkurrent ist Andy Burnham, der populäre Bürgermeister von Manchester. Burnham muss jedoch erst über eine Nachwahl im Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus zurückkehren – ohne Abgeordnetenstatus kann er nicht kandidieren. YouGov meldete am 14. Mai, Burnham sei unter Labour-Wählerinnen und -Wählern die beliebteste Labour-Figur. Eine Survation-Auswertung sah ihn unter Labour-Mitgliedern mit 42 Prozent der Erstpräferenzen klar vorne – Streeting lag bei 11 Prozent. Streetings Nettobeliebtheit in der Bevölkerung lag zum selben Zeitpunkt bei minus 28.

Streitfigur in der queeren Community

Innerhalb queerer Debatten ist Streeting nicht nur Identifikationsfigur, sondern auch Streitfigur. Als Gesundheitsminister trug er die dauerhaften Restriktionen bei Pubertätsblockern für Minderjährige politisch mit. Stonewall reagierte scharf und warnte vor zusätzlichem Leid und Vertrauensverlust bei trans Jugendlichen und ihren Familien. Streeting selbst sagte in seiner Parlamentsrede vom Dezember 2024, trans Menschen fühlten sich in Grossbritannien zu oft «unsicher, ungesehen und ungehört» – und begründete die Restriktionen gleichzeitig mit Sicherheitsargumenten.

Es ist das Porträt eines Mannes, der offen über Angst, Selbstverleugnung und Befreiung gesprochen hat – und der in der Community, aus der er kommt, nicht unumstritten ist. 

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

18.05.2026

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