Papst Leo XIV. bremst Kardinal Marx

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Papst Leo XIV. (Bild: Edgar Beltrán, The Pillar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Zwei Tage nach der Freigabe durch Kardinal Marx stellt der Papst klar: Förmliche Segensfeiern für homosexuelle Paare sind mit dem Vatikan nicht abgesprochen. Und gehen über das hinaus, was Franziskus erlaubt hatte.

Kardinal Reinhard Marx hatte gerade erst geliefert. Am 21. April erklärte das Erzbistum München und Freising, dass die Handreichung «Segen gibt der Liebe Kraft» als verbindliche Grundlage für seelsorgerliches Handeln gilt: Paare können eine kirchliche Segnung beantragen, kein Priester darf sie wegschicken. Ein klares Signal in einer Frage, die die deutsche Kirche seit Jahren spaltet.

Zwei Tage später, auf dem Rückflug von seiner Afrikareise, ergriff Papst Leo XIV. das Wort. Vor mitreisenden Journalistinnen und Journalisten sagte er, der Heilige Stuhl habe mit den deutschen Bischöfen bereits gesprochen. Die Position sei klar: «Wir sind mit der formalisierten Segnung von Paaren, in diesem Fall homosexueller Paare oder Paare in irregulärer Situation, nicht einverstanden.» Das gehe über das hinaus, was Franziskus erlaubt hatte, als er sagte, alle könnten den Segen erhalten.

Kardinal Reinhard Marx. (Bild: Erzbischöfliches Ordinariat München (EOM) / Lennart Preiss)

Die Aussage ist keine Überraschung im Inhalt. Überraschend ist der Zeitpunkt und die Form: direkt, öffentlich, auf dem Rückflug, als persönliche Einlassung des Papstes. Keine Verlautbarung aus dem Dikasterium, keine diplomatisch formulierte Note. Sondern ein Satz, der klingt wie ein Ende der Diskussion.

Was Franziskus erlaubt hatte

Der Vergleich mit dem Vorgänger ist entscheidend. Franziskus hatte im Dezember 2023 mit «Fiducia supplicans» einen Spielraum geöffnet: Segnungen für Paare in «irregulären Situationen» wurden grundsätzlich ermöglicht, aber mit engen Grenzen. Keine liturgische Form, kein Verweis auf die Ehe, kein Gottesdienst im engeren Sinn. Die deutsche Handreichung, auf die Marx sich stützte, hatte diesen Spielraum genutzt und ihn institutionell gefasst: verbindlich, strukturiert, pastoral abgesichert.

Genau da liegt für Leo XIV. das Problem. Nicht die Geste als solche, sondern ihre Formalisierung. Der Papst unterschied in seiner Erklärung ausdrücklich zwischen dem Segen, den ein Priester oder der Papst am Ende einer Messe für alle erteilt, und dem gezielten, formalisierten Segen für ein Paar. Ersteres sei Ausdruck der Überzeugung, dass alle willkommen seien. Letzteres gehe über «Fiducia supplicans» hinaus.

Die Kirche, die sich selbst zerlegt

Wie Display berichtete, hat Kardinal Marx die Handreichung im Erzbistum München und Freising als verbindlich erklärt. In mehreren anderen deutschen Bistümern wie Limburg, Trier und Rottenburg-Stuttgart wird sie ebenfalls angewendet. Das Erzbistum Köln unter Kardinal Woelki lehnt sie ab, Regensburg ebenfalls. Die deutschen Bistümer sind in dieser Frage längst in zwei Lager zerfallen, ohne dass Rom bisher offiziell interveniert hatte.

Das hat sich geändert. Leo XIV. hat sich nicht über den Vatikan geäussert, sondern selbst, ohne Umschreibung. Und er hat dabei einen Satz gesagt, der über die Frage des Segens hinausgeht: Die Einheit oder Spaltung der Kirche solle sich nicht um Sexualität drehen. Es gebe grössere Themen, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit. Das klingt nach Deeskalation, ist aber auch eine Verschiebung: Das Anliegen queerer Katholik:innen wird im Namen der Weltkirche zurückgestellt.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

24.04.2026

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