Wake Up Dead Man

Film

Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery. Daniel Craig in Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery. Cr. Courtesy of Netflix © 2025

Daniel Craig steigt bereits zum dritten Mal in den «Knives Out»-Ring und übernimmt erneut die Rolle des charismatischen Detektivs Benoit Blanc.

Schöne Bescherung für Krimifans: Im Dezember erscheint «Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery». Doppelter Grund zur Freude: Josh O’Connor, der attraktive Bauerbursche aus «God’s Own Country», gibt sich nun auch die Ehre in dem Schauerstück.

Von Dieter Osswald
Daniel Craig als schwuler Meisterdetektiv Benoit Blanc.

«Mein Name ist Blanc, Benoit Blanc» könnte der 007-Veteran lässig sagen. Das tut Daniel Craig, 57, freilich bewusst nicht. Er wollte sich schliesslich vom Bond-Image freischwimmen – was zuletzt mit Luca Guadagninos «Queer» samt reichlich freizügiger Sex-Sequenzen eindrucksvoll gelang.

Er funktioniert ebenso als schwuler Meisterdetektiv Blanc. Auf «Knives Out – Mord ist Familiensache» anno 2019 folgt drei Jahre später «Glass Onion: A Knives Out Mystery», in dem sich Hugh Grant beiläufig als Blancs Ehemann präsentiert. Nun also der dritte Streich. Es soll zugleich der letzte sein, wie Regisseur und Autor Rian Johnson am London Film Festival verlauten liess. Schade wär’s, denn auch diese Fortsetzung bietet alles, was ein «Knives»-Coup braucht: vollendet schräge Figuren, superbe Spannung, witzige Wendungen, Star-Auftrieb – sowie einen grandiosen Daniel Craig mit leinwandpräsenter Lässigkeit. Wird der queere Aspekt seiner Figur weiter ausgebaut? In 144 Minuten wäre ja reichlich Zeit dafür! Und wenn Josh O’Connor schon mal da ist…

Sünde, Schuld und Soufflé

Ach, was muss man oft von bösen Priestern hören oder lesen. Etwa vom jungen Priester Jud Duplenticy (Josh O’Connor), der einen Diakon mit seinen Fäusten niederstreckt. Zur Strafe wird der unbeherrschte Gottesmann in die kleine Kirchengemeinde «Our Lady of Perpetual Fortitude» im Norden von New York versetzt. Dort führt der dubiose Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin) das Zepter.

Weil er seine fanatischen Predigten gerne mit bitterbösen, sehr persönlichen Beleidigungen schmückt, sind ihm die Schäfchen reihenweise davongelaufen. Geblieben sind nur noch seine langjährige Mitarbeiterin Martha (grandios: Glenn Close), der Hausmeister Samson, die Anwältin Vera, deren Adoptivsohn Cy, der Autor Lee, der Arzt Nat sowie die im Rollstuhl sitzende Cellistin Simone.

Kerry Washington als Anwältin Vera Draven und die grandiose Glenn Close als Martha Delacroix.

Mord im Gotteshaus

Von der Schrulligkeit des neuen Chefs bekommt der junge Priester gleich nach seiner Ankunft einen ersten Eindruck: Er soll dem Monsignore im Kirchengarten die Beichte abnehmen. Deren überaus ungewöhnlichen Inhalt zu verraten, würde den Spass verderben.

Das ist allgemein die Crux der «Knives Out»-Trilogie: Dem filigran gesponnenen Whodunit-Geflecht aus falschen Fährten und Intrigen ergeht es beim Spoilern wie dem Soufflé bei geöffneter Backofentür. Deshalb nur so viel zur Story: Mitten im Gottesdienst geschieht ein Mord. Die örtliche Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis) bittet den Meisterdetektiv Benoit Blanc, bei der Aufklärung des mysteriösen Falls behilflich zu sein. Für die eingeschworene Gläubigenschar steht der Täter rasch fest. Der eiskalte Detektiv setzt hingegen auf knallharte Beweise. Während seine Indizien wachsen, ergeht es den Kirchenmitgliedern wie einst im Kinderlied den «Ten Little Indians». Selbst im Säurebad finden sich alsbald Skelette. Der Krimi lässt sich zu Beginn etwas Zeit, doch bald steigert sich die Dramaturgie gewaltig und zieht im letzten Drittel die Daumenschrauben der Spannung souverän an. Humor ist bei «Knives» traditionell die halbe Miete, was dem Starensemble sichtlich Spass bereitet.

Zwischen Satire und Sakrileg

Jenseits dieser Heiterkeit schimmert messerscharfe Gesellschaftskritik. Der Monsignore mutiert zunehmend zu einem Hassprediger der übelsten Art – gleichsam eine gelungene Parodie auf die echten rechten Influencer und fanatischen Populisten. «Make Satire Great Again» lautet das Motto, sobald dieser Monsignore ins Bild tritt. Josh Brolin hat teuflisches Vergnügen an diesem bigotten Kirchen- Kotzbrocken. Dass er in seiner Beichte beim jungen Priester so permanent wie penetrant von seinen Selbstbefriedigungsfantasien erzählt, verleiht seinem Namen «Wicks» für deutschsprachiges Publikum eine zusätzliche Comedy-Qualität.

Josh O’Connor spielt den jungen Priester Jud Duplenticy und Josh Brolin den dubiosen Monsignore Jefferson Wicks.

Queerer Twist inklusive

Wie queer wird der Krimi mit dem schwulen Detektiv nun also? Läuft da vielleicht was zwischen Daniel Craig und Josh O’Connor? Ein übercooles Ermittlerpaar mit grandioser Leinwandpräsenz gibt das ungleiche Duo auf alle Fälle ab, ob sie nun gemeinsam Mörder*innen jagen oder bloss Händchen halten. Immerhin spielt Benoit ein bisschen «Phantom der Oper» auf der Kirchenorgel an. Schliesslich wäre da noch Glenn Close, bekanntlich eine «Frau, die man nie vergisst». Oder spielt Queerness etwa überhaupt keine Rolle mehr? Nichts ist unmöglich! Das Spiel mit Erwartungen ist der Kick in diesem Schauerstück. Spoilern, das ist die messerscharfe Schlussfolgerung, geht bei «Knives Out» einfach nicht!

«Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery» gibt’s ab 12. Dezember auf Netflix.

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Dieter Osswald

Redaktion
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

11.12.2025

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