Troye Sivan spricht über seine Kindheit: «Ich fühlte mich wie ein Versager als Junge»

Musik

Schwarz-Weiss-Bild: Troye Sivan im weissen Pullover liegt in einer Sanddüne mit Strandgras
Troye Sivan im Musikvideo zu «FF» (Bild: Troye Sivan «FF» Musikvideo | YouTube)
Mobbing, Männlichkeitsbilder und Selbstzweifel: Troye Sivan erzählt von schmerzhaften Kindheitserinnerungen und davon, wie er seinen eigenen Weg gefunden hat – ohne sich länger an fremde Erwartungen anzupassen.

Mit «She’s The Best» zeigt sich Troye Sivan so verletzlich wie selten zuvor. Auf seinem neuen Album treffen queere Club-Energie und sexuelle Selbstbestimmung auf Einsamkeit, Liebessehnsucht und emotionale Unsicherheit. Statt nur die Euphorie der Nacht zu feiern, richtet der australische Popstar den Blick auch auf das, was bleibt, wenn die Musik verstummt: den Wunsch nach Nähe und die Frage, wo man sich wirklich zugehörig fühlt.

Wie tief diese Gefühle reichen, zeigt ein neues Video, in dem Sivan über seine Beziehung zu Männlichkeit spricht. «I've always had a very complicated relationship with men and my own masculinity», sagt er. Noch eindringlicher ist sein Geständnis: «Some of my earliest memories in life are just feeling like a failure as a boy.» Schon zu seinen frühesten Erinnerungen gehöre das Gefühl, als Junge zu versagen.

Er erzählt von seiner Schulzeit, davon, dass er schlecht im Sport war, und von Momenten, in denen er sich gedemütigt und ausgelacht fühlte. Erfahrungen, die lange nachwirken können, wenn man früh lernt, dass man nicht dem Bild entspricht, das andere von einem Jungen erwarten. Eine wichtige Ausnahme war ein Lehrer, an den sich Sivan voller Wärme erinnert: «so fab, immaculate and warm». Eine Person, die ihm offenbar auf eine Weise begegnete, die sich deutlich von seinen schmerzhaften Erfahrungen unterschied.

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Solche Gefühle dürften vielen queeren Menschen bekannt vorkommen. Wer sich schon früh anders fühlt, muss oft erst lernen, die eigenen Wünsche und die eigene Identität anzunehmen, statt sich an fremden Erwartungen zu messen. Auch Liebe und Beziehungen können dadurch zu einem längeren Prozess der Selbstfindung werden. Sivans Offenheit erinnert daran, dass Selbstvertrauen nicht bedeutet, nie gezweifelt zu haben – sondern sich irgendwann nicht mehr von diesen Zweifeln bestimmen zu lassen.

Gerade deshalb ist Sivan als queerer Künstler so spannend. In seiner Musik, seinen Visuals und seinen Shows lotet er die Grenzen zwischen maskulinen und femininen Ausdrucksformen immer wieder neu aus. Ob mit Korsett auf der Bühne oder in Drag: Er nimmt sich die Freiheit, unterschiedliche Seiten seiner Persönlichkeit zu zeigen, ohne sich auf eine einzige Vorstellung von Männlichkeit festlegen zu lassen. Was ihm als Kind das Gefühl gab, nicht dazuzugehören, wird heute Teil seines künstlerischen Ausdrucks.

Doch auch ein selbstbewusster Umgang mit der eigenen Identität schützt nicht vor Liebeskummer oder Sehnsucht. In einem Interview mit Apple Music sprach Sivan über seinen Ex-Freund Jacob Bixenman, mit dem er von 2016 bis 2020 zusammen war. «He was kind of the, like, the great love of my life, I would say so far», sagte er – er sei, zumindest bisher, die grosse Liebe seines Lebens gewesen.

Gleichzeitig hat Sivan öffentlich darüber gesprochen, dass er sich einen Freund wünscht. Zwischen der Erinnerung an eine grosse Liebe und der Hoffnung auf eine neue zeigt er eine Seite, die weit entfernt ist vom unnahbaren Popstar-Image: verletzlich, romantisch und voller Widersprüche. Vielleicht ist genau das die stärkste Botschaft dieser neuen Ära. Man muss nicht alle Antworten kennen, um zu sich selbst zu finden.

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Veröffentlicht:

22.10.2026

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