Stoff zum Staunen

Fashion

Der Mode-Designer Gabriel Faye spricht über Themen wie Upcycling, Glamour und den Aspekt von Nachhaltigkeit.

Text Rico Schüpbach

Upcycling ist längst mehr als Improvisation. Bei Gabriel Faye wird es zu High Fashion. Sie ist glamourös, politisch und nachhaltig. DISPLAY hat mit dem jungen Franzosen, der für den Schweizer Stardesigner Kévin Germanier arbeitet, über seine Arbeit, seine Inspiration und die Verantwortung der Mode gesprochen.

Hört man das Wort Upcycling, denken viele an improvisierte Patchwork-Stücke. Doch das ist komplett überholt: Upcycling ist weit mehr als das – und vor allem dringend notwendig in einer Welt voller Kleiderberge, die im Meer landen oder sich in der Atacama-Wüste türmen. Der Schweizer Designer Kévin Germanier hat daraus eine eigene Handschrift entwickelt: High Fashion, Couture, bunt, glamourös – und ein visuelles Feuerwerk.

Mitten in diesem Kosmos arbeitet der 23-jährige Gabriel Faye, Designer und ehemaliges Model, der heute in der Nähe von Paris lebt. Für Kévin Germanier hat er bereits an international gefeierten Projekten mitgearbeitet – vom Kleid für Björk über das goldene Kostüm «Golden Voyager» (Bild rechts) der Abschlussfeier der Olympischen Spiele Paris 2024 bis hin zu den Outfits des ESC 2025 in Basel.

«Kévin sagt: Wir machen aus Trash Treasures. Das ist absolut politisch, wir leben in einer Welt, in der es unmöglich ist, nicht an Nachhaltigkeit zu denken.»

Von Grafikdesign zu High Fashion

Gabriel Faye studierte zunächst Grafikdesign. Doch er wusste, dass sein Herz für Mode schlägt: «Es kann beängstigend sein, voll auf sich zu hören und seinen Interessen zu folgen.» Trotz aller Zweifel wagte er den Schritt – erst nach Paris, dann nach London an die legendäre Central Saint Martins School.

Dort begegnete er zufällig Kévin Germanier, der als Experte die Abschlussarbeiten bewertete. Gabriel fragte spontan nach einem Praktikum – und stand schon eine Woche später in Paris im Atelier. Seitdem ist Gabriel Faye Teil von Projekten, die internationale Aufmerksamkeit erregten. Für Björk entwarf der Mode-Designer ein Kleid, das die Sängerin auf den Filmfestspielen in Cannes trug – trotz einer Fussverletzung und des Gewichts der Kreation.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Outfits für den Eurovision Song Contest 2025 in Basel. «Diese Zeit war unglaublich intensiv. Wir haben Gäste, Sänger*innen und Tänzer*innen eingekleidet. Performer*innen brauchen nicht nur glamouröse Outfits, sondern vor allem Bewegungsfreiheit.»

Gabriel Faye im Kleid von Boralone während Fittings an der University of Art Saint Martins in London.

Gabriel persönlich

Gabriel Faye, geboren am 28. Dezember 2001, lebt zwischen Paris und der südlichen Banlieue: «Ich schätze die Gegend, weil hier die Natur viel näher ist», erklärt der Mode-Designer. «Ich liebe es, unweit von zu Hause joggen zu gehen, um den Kopf freizubekommen und klarer denken zu können. Dabei kommen mir die besten Ideen.

Mein Interesse für die Natur wird inspiriert von präkolumbianischen Kulturen. Ihre sozialen Strukturen sowie ihr besonders inniges Verhältnis zur Natur faszinieren mich und ich versuche, ihr Denken zu verstehen», erklärt Gabriel.

Passend zur Natur-Thematik führt er seine Recherchen rund um Metall weiter, um Schmuckstücke zu kreieren, die an Pflanzen erinnern.

Eigene Handschrift: Metall und Natur

Neben seiner Arbeit für Kévin Germanier entwickelt Gabriel Faye eigene Konzepte. Besonders Metalle faszinieren ihn – starre, harte Materialien, die er in weiche, fantasievolle Formen verwandelt.

«Das Material reflektiert die Welt, in der wir leben – grosse Städte ohne Biodiversität, eine von Gewalt geprägte Welt. Gleichzeitig setze ich dem etwas Poetisches entgegen.»

Gabriels grösste Inspirationsquelle bleibt die Natur: Pflanzen, Blumen, Veränderung. Die organischen Zyklen von Werden und Vergehen spiegeln sich in seinen Entwürfen wider.

Für Gabriel Faye ist Mode längst mehr als reine Ästhetik. Es geht um Haltung: «Zu Beginn wollte ich Kunstwerke erschaffen. Doch ich merkte, dass das enttäuschend sein kann, weil sich Dinge auch verkaufen müssen. Kévin hat mir gezeigt, dass man alles machen kann, wenn man selbst daran glaubt und es überzeugend umsetzt.»

Rico Schüpbach

Redaktion
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

28.12.2025

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