Buch Tipps: Lauber, Wühle und Chevrier

Buch

Bild: Eduard Delputte | Unsplash
Vier Bücher, vier Reisen: von Macht und Skandalen über Lust und Identität bis zu Liebeskummer und Selbstsuche. Diese Neuerscheinungen erzählen von Menschen, die sich in einer komplexen Welt neu erfinden müssen.

Der oberste Verfolger

Der Bundesanwalt hat einen hochproblematischen Job. Schliesslich hat er es mit unrechtmässig erworbenen Milliarden von Diktatoren zu tun, mit globalen Finanzskandalen oder gar mit korrupten Funktionären von mafiösen Organisationen wie der Fifa.

Ein schwuler Bundesanwalt wäre angesichts dieser brisanten Geschäfte früher undenkbar gewesen – er wäre zum Sicherheitsrisiko erklärt worden, wegen angeblicher Erpressbarkeit. Michael Lauber schaffte das Undenkbare: Er wurde als offen schwuler Jurist in das exponierte Amt geholt.

Ein neues Buch beleuchtet nun detailliert Michael Laubers Lebensweg – von der Herkunft als Sohn eines christkatholischen Pfarrers über seine Ausbildung und die grossen, oft skandalumwitterten Fälle bis zu seinem Leben nach dem Rücktritt aus dem aufreibenden Amt. Auch das Entdecken seiner sexuellen Identität bleibt dabei nicht unerwähnt.

▶ Dyami Häfliger: Michael Lauber – Ein Leben für Verantwortung und Selbstbestimmung. Weberverlag.ch

Verruchte Halbwelt

Die Geschichten, Gedichte, Phantasien, deftigen Zeichnungen und Fotos des zweisprachigen erotischen Jahrbuchs 2026 «My Gay Eye» drehen sich rund um die sündig-verruchte Welt der Bordelle. Einer Welt der männlichen Musen, der Verführung, des Spektakels und der wilden Orgien.

In diesem Buch mit Beiträgen von renommierten Künstlern wie Bruce LaBruce, Albrecht Dürer oder Slava Mogutin sind die Puffs Orte der ungezähmten Lust und der Freiheit.

→ mygayeye.com

▶ Rinaldo Hopf und Johnny Abbate (Hrsg.): Mein schwules Auge/My Gay Eye #22, Bordello. Das Jahrbuch schwuler Erotik und Kunst 2026. Konkursbuch. queerbooks.ch

Rastlose Suche

Der namenlose Held des Romans «Foto auf Anfrage» irrt ziellos durchs Leben. Er spielt sich und anderen vor, irgendwie noch irgendwas zu studieren, sucht wenig motiviert irgendwelche Brotjobs, die überhaupt nicht seinem Profil entsprechen. Vor allem aber setzt er seine jugendlichen Reize dazu ein, auf Grindr Dates zu fixen. Mit verheirateten Männern, mit heimlichen Schwulen, was auch immer. Hauptsache, er kann sich seinen Lebensunterhalt verdienen. Sein Leben zwischen Pandemie und Sexpannen, Tod und Isolation ist im Debutroman des Goncourt-Preisträgers Simon Chevrier hervorragend beschrieben. Das Buch zieht uns in seinen Bann.

Eines Tages entdeckt der Protagonist eine Fotografie, die ihn fasziniert: Wer ist der Bursche, der da auf einem Bild des legendären Fotografen Peter Hujar keck seinen grossen Zeh lutscht? Wer war er, wer ist er heute, lebt er überhaupt noch? Der Ich-Erzähler macht sich auf die Suche nach dem verführerischen «Daniel». Eine Recherche, die vielleicht auch eine Suche nach seinem eigenen Selbst ist.

▶ Simon Chevrier: Foto auf Anfrage. Roman. Albino.

Und zack ist alles aus

Stell dir vor, du willst mit der Liebe deines Lebens zusammenziehen und bis ans Ende eurer Tage glücklich zusammenleben. Und plötzlich erhältst du ein SMS von deinem Lebensmenschen. «Es tut mir leid», das ist alles, was da steht, und fortan wirst du von deinem Lover geghostet, auf allen Kanälen geblockt.

So brutal ergeht es Rafa, dem tragischen Helden des Romans Mala Visión. Und das nach sechs Jahren Beziehung. Rafa stürzt ab, verzweifelt, beginnt sich in seinem Liebesschmerz allmählich selbst zu zerstören. Als er eine Spur seines verschwundenen Partners entdeckt, macht er sich in Mexiko auf die Suche. Sie endet im Fiasko. Rafa landet verloren im Dschungel. Weil er seine Brille verliert, irrt er fast blind hilflos umher. Sein Leiden mitzuverfolgen, ist zuweilen schwer zu ertragen. Wird Rafa einen Ausweg finden und ein neues Leben beginnen können?

▶ Armin Wühle: Mala Visión. Roman. Albino

DISPLAY Online

Redaktion
DISPLAY Magazin

Artikel jetzt teilen

Veröffentlicht:

17.04.2026

Weitere Artikel zum Thema

Kultur

Abgelaufen

07.03.2026

Musik

Mit Confessions II feiert Madonna nicht nur ihre Rückkehr, sondern setzt ein Statement. Zwischen queerer Selbstermächtigung, kreativer Freiheit und der Kraft der Tanzfläche zeigt sie, warum dieses Album weit mehr ist als neue
06.07.2026

Film

18.02.2026
Mehr gibt es leider gerade nicht. Wir schreiben fleissig weiter.