Das gab’s noch nie: Zum ersten Male standen sich mit dem Basler Mika Brunold und dem Brasilianer João Lucas Reis zwei offen schwule Tennisprofis im Final eines ATP-Challenger-Turniers gegenüber. Der 21-jährige Reinacher gewann im österreichischen Tulln souverän mit sieben Siegen in Serie und feierte damit den grössten Erfolg seiner Karriere.
Da Silva war für Mika Brunold ein Vorbild. Der 26-jährige Brasilianer hatte sich 2024 als erster aktiver Tennisprofi überhaupt geoutet – ganz einfach, indem er auf Instagram seinem Partner Gui Sampaio Ricardo zum Geburtstag gratulierte und dazu Bilder des glücklichen Paars postete.
Brunold sprach über seine Angst und den Druck zu schweigen
Ein Jahr nach Reis da Silva machte Brunold sein Schwulsein öffentlich. In seinem Instagram-Beitrag beschrieb er die schwierigen Seiten dieses Schrittes. «Schwul zu sein bedeutet für mich nicht nur, das gleiche Geschlecht zu lieben», schrieb der damals 20-Jährige. «Es bedeutet auch, mit Dingen umzugehen, über die die meisten Menschen nie nachdenken müssen: die Angst, nicht akzeptiert zu werden, der Druck, still zu bleiben, das Gefühl, anders zu sein.» Heute könne er zu seiner Identität stehen: «Aber ich bin gewachsen. Und ich bin stolz darauf, wer ich heute bin.»
Damals äusserte Brunold auch den Wunsch, dass Homosexualität im Profisport künftig offener thematisiert wird.
«Du warst eine grosse Inspiration für mich»
Nach dem Finale wandte sich Brunold an Reis da Silva und dankte ihm dafür, ihn zum Schritt an die Öffentlichkeit ermutigt zu haben: «Ein Jahr nach deinem Coming-out hatte ich meines. Du warst eine grosse Inspiration für mich. Ich bin wirklich stolz auf uns», sagte der Baselbieter bei der Siegerehrung. «Wir können Vorbilder für so viele Menschen sein, die mit ihrer Sexualität kämpfen. Vielen Dank und viel Glück für deine Zukunft.»
«Es war ein harter Fight, João hat mir das Leben schwer gemacht», sagte Mika Brunold nach seinem Sieg. «Es ist unglaublich, das ist mein grösster Titel. Ich habe diese Woche ein unglaubliches Level gespielt.»
Der Erfolg bringt Mika auch in der Weltrangliste nach vorne. Als Nummer 410 der Welt war er angetreten. Nun wird er sich bis in die Top 260 verbessern. Und wer weiss, wie weit er noch kommen wird? Wir drücken ihm die Daumen
