Am 15. Juli präsentierte Maison Blanche seine erste Parfumkollektion. Die drei Düfte Queerdo, Breed und Kink erzählen gemeinsam eine Geschichte über queere Identität, Sexualität, Nostalgie und die Freiheit, die eigene Lust zu erforschen. Schon auf den ersten Blick wird klar: Diese Parfums wollen nicht einfach gut riechen – sie wollen provozieren, Gespräche auslösen und Grenzen hinterfragen.
Passend dazu sorgen die auffälligen, hodensackförmigen Flakons bereits für reichlich Aufmerksamkeit. Beim Launch-Event wurden die Verpackungen von der Künstlerin Janet Mueller live mit blauen Kunstwerken personalisiert. Draussen sorgte eine Glory-Hole-Performance für neugierige Blicke und unterstrich einmal mehr den spielerischen, provokativen Charakter der Marke.
«Wir wollen uns nicht mehr verstecken»
Im Gespräch mit DISPLAY erklärt Yannik Zamboni, weshalb Sexualität für ihn ein selbstverständlicher Teil queerer Sichtbarkeit ist.
«Als ich aufgewachsen bin, gab es kaum queere Vorbilder. Alles, was ich in Filmen oder Serien gesehen habe, war heteronormativ. Queere Menschen existierten praktisch nicht.»
Noch heute würden queere Menschen anders beurteilt als heterosexuelle Paare.
«Früher hiess es immer: Es ist mir egal, was ihr hinter verschlossenen Türen macht. Aber warum eigentlich hinter verschlossenen Türen? Heterosexuelle Menschen halten auf der Strasse Händchen, küssen sich oder zeigen Zärtlichkeiten ganz selbstverständlich. Für viele queere Menschen ist das bis heute nicht überall möglich. Wir müssen uns ständig fragen: Können wir hier Händchen halten? Können wir uns küssen? Ist das sicher? Unsere Realität sieht anders aus – und trotzdem haben wir genau dieselben Bedürfnisse nach Nähe, Liebe und Intimität.»
Von Holz-Sextoys zu Parfum – und was als Nächstes kommt
Erst vor wenigen Tagen sorgte Maison Blanche mit den gemeinsam mit MANUfuckTURA entwickelten Holz-Sextoys für Aufmerksamkeit. Doch dabei soll es nicht bleiben.
Bereits angekündigt ist eine Zusammenarbeit mit Muntagnard und dem Projekt Queer Wool. Dahinter steht ein Schäfer aus Deutschland, der homosexuelle Schafböcke rettet und ihnen ein Zuhause bietet. Gemeinsam mit Bill Kaulitz und Kilian Kerner entstand daraus bereits eine kleine Kollektion.
Nun arbeitet Maison Blanche an einem neuen Projekt mit dem Titel «VOLL SCHWOOL», das sich ebenfalls mit queerer Identität und Community beschäftigen wird.
Drei Jahre Entwicklungszeit
Obwohl Parfums oft als logischer nächster Schritt erfolgreicher Modemarken gelten, war das Projekt für Maison Blanche alles andere als selbstverständlich.
«Mir wurde oft gesagt, dass Parfum nur funktioniert, wenn man eine riesige Reichweite hat, weil es ein Massenprodukt ist. Dann kam das Parfumhaus Moellhausen auf uns zu und fragte, ob wir gemeinsam einen Duft entwickeln möchten.»
Was folgte, war ein dreijähriger Entwicklungsprozess.
«Wir wollten keinen Duft von der Stange. Jeder Duft, jeder Flakon und das gesamte Konzept wurden von uns selbst entwickelt und gestaltet. Genau deshalb hat das Projekt auch drei Jahre gedauert.»
Welcher Duft beeindruckt Yannik selbst?
Überraschenderweise ist es gar nicht ein bestimmtes Parfum, das seine Aufmerksamkeit weckt.
«Das klingt vielleicht komisch – gerade heute. Aber ich mag Menschen eigentlich am liebsten ohne Parfum. Ich möchte zuerst den natürlichen Duft eines Menschen wahrnehmen. Ob jemand danach Parfum trägt, bleibt selbstverständlich jeder Person selbst überlassen.»
«Grab ’em by the balls»
Für Schlagzeilen sorgten nicht nur die Düfte selbst, sondern auch die Form ihrer Flakons. In einem Interview mit dem Blick verriet Yannik Zamboni, dass ihn Donald Trump indirekt dazu inspiriert habe.
Nach Trumps berüchtigter Aussage «Grab ’em by the pussy» habe er bewusst ein Gegenbild schaffen wollen.
«Ich wollte das umdrehen – damit man auch sagen kann: ‹Grab ’em by the balls.›»
Provokation gehört bei Maison Blanche seit jeher zum Konzept. Die neue Parfumkollektion verbindet Mode, Kunst, Aktivismus und queere Kultur auf eine Weise, die polarisiert – und genau das scheint beabsichtigt zu sein.
Die Parfum-Trilogie Queerdo, Breed und Kink ist ab sofort über Maison Blanche erhältlich.
Interview mit Yannik: Andreas Koch
Text: Daniel Stässle
