L’Ultimo Bacio

Restaurants

Ein vielfältiger Bioladen in der Schweiz ist mehr als ein Verkaufsgeschäft. Er ist ein sinnlicher Begegnungsort.

Vor knapp 20 Jahren übernahm Dominik Hungerbühler im Zürcher Stadtteil Wipkingen einen kleinen Bioladen und machte ihn unter dem Namen L’Ultimo Bacio zu einem Begegnungspunkt mit hochwertigen Produkten. Weitere Läden in Winterthur und St. Gallen folgten. DISPLAY hat den bodenständigen Thurgauer getroffen.

Text und Bilder Mathias Steger

 

Vielfalt und Sinnlichkeit – das sind Elemente, die sich durch Dominiks Leben ziehen. Der Thurgauer hat vielfältige Interessen, von unzähligen Sportarten über Tanz bis hin zu Latino-Musik. Auch privat ist er vielseitig: Er war in einer Ehe mit einem Mann und hatte längere Beziehungen, unter anderem mit einem Brasilianer.

Seine berufliche Laufbahn war ebenfalls geprägt von Vielfalt; sie führte ihn von Kellnerjobs über ein Journalismusstudium bis hin zum Türsteher. Als er dann mit einem Kollegen ein illegales Restaurant in einem Abbruchhaus betrieb, reifte die Idee zur Selbständigkeit: «Ich wollte einen sinnlichen Job, der Körper, Geist und Seele gleichermassen beansprucht und bei dem ich mein eigener Chef bin.»

Vor gut 20 Jahren lernte Dominik zufällig die Frau kennen, die damals den Bioladen in Wipkingen führte. Sie überredete ihn, das Geschäft zu übernehmen – obwohl er kein Geld hatte und aus einfachen Verhältnissen kam.

Der Vertrag wurde von Hand geschrieben, und die ersten 5000 Franken für die Betriebsgründung lieh er sich von einem Freund. So entstand «L’Ultimo Bacio». Der Name ist inspiriert vom gleichnamigen Film aus dem Jahr 2001, einer Komödie über vier Männer mit Sinnkrisen in ihren Mittdreissigern. Auch hier zeigen sich Vielfalt und Sinnlichkeit. «Mir hat gefallen, wie unterschiedlich die Männer mit ihren Krisen umgehen. Zudem tönt der Name sinnlich», sagt Dominik.

Genau diese Sinnlichkeit ist im Ultimo Bacio überall spürbar – bei den sorgfältig ausgewählten Bioprodukten, von eigens entwickelten Brotrezepten über besondere Käsesorten bis hin zu einem grossen Gemüsesortiment und italienischer Pasta. Aber auch die gut gelaunten Mitarbeitenden, das familiäre Ambiente und die sorgfältig kuratierte Musik aus Dominiks Playlist tragen dazu bei.

Neben dem Laden in Zürich gibt es weitere Filialen in Winterthur und St. Gallen. Letztere entstand in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Bordells und wird von seiner langjährigsten Mitarbeiterin geführt. Das ermöglicht Dominik, wieder mehr Zeit dort zu verbringen, wo er am liebsten ist: im Laden – beim Auspacken und Einräumen der Ware, hinter der Theke oder auch beim Putzen. «Ich mache höchstens fünf Stunden Büroarbeit pro Woche. Die besten Ideen kommen mir sowieso, wenn ich im Laden bin», sagt der Unternehmer.

Tochter mit einer lesbischen Frau

Bis zu seinem 20. Lebensjahr hatte Dominik Beziehungen mit Frauen. Auch nach seinem Coming-out schlug ihm eine Partnerin vor, zusammenzubleiben – mit Freiraum für einen Mann. «Irgendwann wollte ich aber nicht mehr mit einer Frau zusammen sein», erzählt er.

Unabhängig von seiner sexuellen Orientierung war für ihn klar, dass er Kinder wollte. Mit 35 suchte Dominik nach einer lesbischen Mutter und schaltete ein Inserat. «Ich habe 50 Bewerbungen erhalten, drei Frauen getroffen – und bei einer wusste ich sofort, dass es passt.»

Heute sind die beiden Eltern einer elfjährigen Tochter und teilen sich das Sorgerecht. «Wir sind wie ganz normale Eltern, nur ohne Liebesbeziehung und ohne dass wir zusammenleben. Meine Tochter hat die beste Mutter und geht sehr entspannt mit der Situation um», sagt er. Verwunderung von aussen gebe es zwar manchmal, «aber das sind wir uns als Schwule ja gewöhnt», sagt Dominik schmunzelnd.

Dominik wird auch in den kommenden Jahren Sinnlichkeit und Vielfalt leben: «Ich habe tausend Ideen, wie wir den Laden noch besser und noch sinnlicher machen können», freut er sich auf die Zukunft.

Mathias Steger

Redaktion
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

26.12.2025

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