Plötzlich weg – und niemand sagt warum. Genau das erlebten in den vergangenen Monaten mehrere queere Clubs, Medien und Aktivist auf Instagram und Facebook. Betroffen waren unter anderem queere Nachtclubs in Los Angeles, die traditionsreiche Bar The Stud in San Francisco sowie Accounts aus Europa und Brasilien. Inzwischen sind zahlreiche dieser Profile wieder online. Eine nachvollziehbare Erklärung von Meta steht vielerorts allerdings weiterhin aus.
Besonders deutlich wurde das Problem in Los Angeles. Die Accounts der Clubs Club Cobra und Club Chico sowie Profile von Mitarbeitenden und Veranstalter verschwanden teilweise über Monate. Nachdem die Los Angeles Times bei Meta nachfragte, wurden mehrere der betroffenen Seiten am vergangenen Wochenende wiederhergestellt. Auch Catch One, ein historisch bedeutender Club mit Wurzeln in der Black-LGBTQ+-Community, erhielt seine Facebook-Seite zurück.
Für die betroffenen Clubs ist Instagram längst mehr als ein Schaufenster. Über die Plattform werden Partys angekündigt, Tickets verkauft, Künstler beworben und Communities erreicht. Beim Club Catch One führte der Verlust von Facebook und Instagram laut Betreiber zu einem geschätzten Rückgang der Ticketverkäufe von bis zu 80 Prozent.
Auch in San Francisco sorgte eine Sperre für Aufsehen: The Stud, eine der ältesten queeren Bars der Stadt, verlor seinen Instagram-Account, nachdem die Seite offenbar wegen Meldungen im Zusammenhang mit Menschenhandel markiert worden war. Meta stellte den Account später wieder her, erklärte jedoch nicht öffentlich, weshalb es überhaupt zur Sperre gekommen war.
Dass solche Fälle kein rein amerikanisches Phänomen sind, zeigt der Blick nach Europa und Brasilien. In Europa gingen unter anderem das queere Magazin BUTT und verschiedene LGBTQ+-Organisationen gegen Sperrungen vor. In Brasilien wurden im Mai mehrere grosse queere Accounts gleichzeitig deaktiviert – zusammen erreichten sie mehr als 1,7 Millionen Follower. Mehrere Profile wurden nach öffentlichem Druck und Medienanfragen wiederhergestellt.
Die Accounts sind also wieder da. Doch das eigentliche Problem bleibt: Was passiert beim nächsten Mal?
Für eine Community, die digitale Plattformen nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch für Sichtbarkeit, Vernetzung und den eigenen Lebensunterhalt nutzt, kann eine plötzliche Sperre weitreichende Folgen haben. Wenn ein Algorithmus entscheidet, dass ein Account verschwindet, kann eine jahrelang aufgebaute Community innerhalb von Sekunden unerreichbar werden.
Meta hat sich zu den konkreten Gründen der jüngsten Sperren bislang nicht ausführlich geäussert. Genau diese fehlende Transparenz sorgt bei den Betroffenen für Unsicherheit.
Die queeren Accounts sind zurück. Das Vertrauen in die Plattformen ist es offenbar noch nicht.
