Grossbritannien stuft LGBTQ+-Hassverbrechen als schwere Straftaten ein

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Progress Pride Flag weht auf dem Dach eines Backsteingebäudes vor blauem Himmel.
Progress Pride Flag auf einem Gebäudedach in Grossbritannien. Das Land stuft LGBTQ+-Hassverbrechen neu als schwere Straftaten ein. (Bild: Kyle Bushnell auf Unsplash)

Der Crime and Policing Act 2026 hat am 29. April die Royal Assent erhalten. Homophobie und Transfeindlichkeit werden damit erstmals wie Rassismus und religiöser Hass behandelt.

Wer in England oder Wales jemanden angreift, weil er schwul, lesbisch, bisexuell oder trans ist, wird künftig härter bestraft. Mit dem Crime and Policing Act 2026 stuft Grossbritannien LGBTQ+-Hassverbrechen erstmals als schwere Straftaten ein. Das Gesetz erhielt am 29. April die Royal Assent und ist damit offiziell in Kraft. Die Änderung ist überfällig – und hat eine lange Vorgeschichte.

Bisher galten Hassverbrechen aufgrund von Rassismus oder religiöser Feindlichkeit in Grossbritannien als sogenannte «aggravated offences», schwere Straftaten mit höheren Maximalstrafen. Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen waren zwar anerkannt, wurden aber rechtlich anders behandelt. Diese Ungleichheit ist jetzt Geschichte. Homophobie und Transfeindlichkeit als Tatmotiv werden nun gleichbehandelt wie Rassismus – mit entsprechend schärferen Strafen und mehr Zeit für Betroffene, um eine Anzeige zu erstatten. Die bisherige Sechs-Monats-Frist, die viele Opfer aus Angst oder Schutzgründen nicht einhalten konnten, fällt weg.

Eine Empfehlung, zehn Jahre später umgesetzt

Die Reform war keine spontane Entscheidung. Die Law Commission hatte die Ausweitung der «aggravated offences» bereits 2021 empfohlen. Die Labour Party nahm das Versprechen 2024 ins Wahlprogramm auf. Stonewall kämpfte seit dem selben Jahr mit der Kampagne «Hold My Hand» öffentlich dafür. Stonewall-CEO Simon Blake OBE bezeichnete das Gesetz als «erste legislative Änderung für LGBTQ+-Rechte in Westminster seit über einem Jahrzehnt».

«There is no hierarchy of hate, and crimes against LGBTQ+ people will be treated with the seriousness they deserve.»

Simon Blake, Stonewall-CEO

Der Grund, warum die Reform so dringend war, liegt in den Zahlen: In den letzten fünf Jahren stiegen polizeilich erfasste Hassverbrechen aufgrund sexueller Orientierung um 20 Prozent, jene aufgrund von Trans-Identität sogar um 50 Prozent. Die LGBTQ+-Hilfsorganisation Galop verzeichnete allein im Sommer 2024 einen Anstieg von 65 Prozent bei Opfern, die Unterstützung suchten.

Was das Gesetz konkret ändert

Neben LGBTQ+-Personen werden auch Menschen mit Behinderungen besser geschützt. Zudem führt das Gesetz erstmals die Kategorie «Geschlecht» in die Hassverbrechens-Gesetzgebung ein. Das Gesetz gilt für England und Wales, nicht für Schottland und Nordirland, die eigene Gesetzgebung haben.

Für queere Menschen in der Schweiz ist das britische Gesetz ein Blick in eine mögliche Richtung. Die Schweiz kennt seit 2020 einen Schutz vor Diskriminierung und Aufruf zu Hass aufgrund sexueller Orientierung im Strafgesetzbuch. Ein explizit schärferer Strafrahmen für Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen fehlt jedoch.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

05.05.2026

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