Fake-Profile statt echter Verbindungen?
Für viele Instagram-Nutzende kam die Vermarktung von Goose überraschend. Recherchen des US-Magazins Wired zufolge sollen im Mai und Juni 2026 mehr als 20 Instagram-Profile erstellt worden sein, die offenbar nicht von echten Personen betrieben wurden. Die Accounts folgten schwulen Männern, fügten sie zu ihren «Close Friends» hinzu und verschickten exklusive Einladungen zur neuen App. Zudem interagierten die Profile untereinander und mit ihren jeweiligen Beiträgen. Inzwischen wurden die meisten dieser Accounts gelöscht.
Gerade für eine Plattform, die mit «echten Verbindungen» und Authentizität wirbt, sorgt dieser Vorwurf für Kritik. Denn wer sich bewusst als Alternative zu klassischen Dating-Apps positioniert, wird auch an diesen Ansprüchen gemessen.
Wer passt ins Bild?
Noch kontroverser wird online über die Moderation von Profilen diskutiert. Mehrere Nutzer berichten, dass ihre Fotos wegen femininem Auftreten oder Make-up abgelehnt worden seien, während maskulin präsentierte Profile problemlos freigeschaltet wurden. Offiziell bestätigt hat Goose diese Vorwürfe bislang nicht.
Auch der öffentliche Auftritt der App wirft Fragen auf. Auf den Social-Media-Kanälen dominieren fast ausschliesslich muskulöse, rasierte und maskulin inszenierte Männer – begleitet vom Slogan «For the Boys». Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu der Botschaft, die Nutzer dazu auffordert, «ihre Wahrheit zu leben». Die Diskussion dreht sich deshalb weniger um einzelne Profile als um die grundsätzliche Frage, welches Bild von queerer Männlichkeit die Plattform vermitteln möchte.
Wem gehören deine Nacktbilder?
Am meisten Kritik lösten jedoch die Nutzungsbedingungen der App aus.
Nutzer machten darauf aufmerksam, dass Goose sich in den ursprünglichen Bedingungen weitreichende Rechte an hochgeladenen Inhalten einräumte. Dazu gehörten unter anderem das Speichern, Bearbeiten, Vervielfältigen, Veröffentlichen und Weiterverwenden von sogenannten «Member Content». Diese Formulierung umfasste grundsätzlich sämtliche Inhalte, die Nutzer auf der Plattform hochladen – einschliesslich Fotos und privater Nachrichten.
Besonders heftig diskutiert wurde dabei die Frage, ob davon auch intime Bilder betroffen sein könnten. Selbst Inhalte, die in Chats nur kurz sichtbar sein oder wieder verschwinden sollten, fielen nach Ansicht vieler Nutzer unter diese Regelung.
Nach der Kritik passte Goose seine Datenschutz- und Nutzungsbedingungen an. Dennoch räumt sich die Plattform weiterhin umfangreiche Nutzungsrechte an hochgeladenen Inhalten ein – ein Punkt, der in der Community weiterhin kontrovers diskutiert wird.
Vertrauen ist alles
Dating-Apps leben vom Vertrauen ihrer Nutzer. Schliesslich teilen Menschen dort nicht nur Fotos, sondern oft auch persönliche Informationen, Standorte und intime Gespräche.
Gerade deshalb werden Fragen rund um Datenschutz, Moderation und Transparenz besonders genau beobachtet. Goose möchte sich als moderne Alternative zu Grindr oder Tinder etablieren und setzt dabei auf Community statt reines Hook-up-Dating. Ob dieses Konzept aufgeht, wird sich jedoch nicht allein am Design oder an neuen Funktionen entscheiden.
Die ersten Wochen zeigen vor allem eines: Wer eine Plattform mit den Werten von Authentizität, Sicherheit und echter Verbindung bewirbt, muss sich auch an genau diesen Versprechen messen lassen.
