Gloria Steinem ist tot – und ihr Kampf ist noch lange nicht vorbei

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(Bild: Jay Godwin, Public domain, via Wikimedia Commons)
Sie machte Feminismus zum Massenphänomen, gab Frauen eine Stimme und stellte sich früh an die Seite der lesbischen und schwulen Bewegung: Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Ihr Einfluss reicht bis in die queere Community von heute.

Gloria Steinem ist tot. Die US-amerikanische Journalistin, Autorin und Aktivistin starb am 2. September 2026 im Alter von 92 Jahren in New York. Über Jahrzehnte war sie eines der bekanntesten Gesichter der feministischen Bewegung – und eine Verbündete der LGBTQ+-Community, lange bevor queere Themen im Mainstream angekommen waren.

Steinem wurde vor allem durch ihren Einsatz für Frauenrechte bekannt. 1971 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen von Ms., einem Magazin, das Frauen nicht nur zum Thema machte, sondern sie selbst zu Autorinnen, Stimmen und politischen Akteurinnen werden liess. Doch ihr Feminismus endete nicht bei der heterosexuellen Mehrheit.

Feminismus und Lesbenbewegung: zwei Kämpfe, eine Verbindung

Gerade für Lesben war das wichtig. In den frühen Jahren der feministischen Bewegung war die Solidarität mit der Homosexuellenbewegung keineswegs selbstverständlich. Steinem stellte sich trotzdem öffentlich hinter lesbische Frauen und die schwule Befreiungsbewegung. Bereits 1970 erschien in Ms. eine deutliche Solidaritätserklärung mit der Homosexuellenbewegung, die Frauenbefreiung und homosexuelle Befreiung als Kämpfe gegen dieselben gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität verstand.

Das war politisch bedeutsam. Lesben waren innerhalb der Frauenbewegung oft mit der Erwartung konfrontiert, ihre Sexualität lieber nicht zu stark zum Thema zu machen. Gleichzeitig kämpften sie in der Schwulenbewegung darum, dass ihre eigenen Erfahrungen als Frauen sichtbar wurden. Steinem half mit, diese vermeintliche Trennlinie zu hinterfragen: Wer Geschlechterrollen abschaffen will, muss auch jene Menschen ernst nehmen, die sich ihnen nicht unterordnen – unabhängig davon, wen sie lieben.

Ein besonders prägnantes Beispiel folgte 1977 in Miami. Steinem unterstützte Aktivist, die sich gegen eine Kampagne zur Aufhebung eines Antidiskriminierungsschutzes für homosexuelle Menschen wehrten. Damit stellte sie sich öffentlich gegen eine damals weit verbreitete gesellschaftliche Feindseligkeit gegenüber Schwulen und Lesben.

Eine Verbündete – aber keine unumstrittene Ikone

Steinem unterstützte später auch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und setzte sich grundsätzlich für die Rechte von LGBTQ+-Menschen ein. Ihr Verhältnis zu trans Menschen zeigt allerdings, dass ihr Vermächtnis nicht widerspruchsfrei ist. Ältere Aussagen aus den 1970er-Jahren wurden zu Recht kritisiert. Später korrigierte Steinem ihre Position deutlich und bekannte sich ausdrücklich zur Unterstützung trans Menschen.

Gerade diese Entwicklung macht ihre Geschichte interessant: Steinem war keine Aktivistin ausserhalb ihrer Zeit, sondern eine Frau, die politische Debatten über Jahrzehnte mitprägte – und ihre eigenen Positionen teilweise weiterentwickelte.

Für viele Lesben liegt ihre Bedeutung deshalb nicht nur darin, dass Steinem «auch LGBTQ+ unterstützt» hat. Sie trug dazu bei, Sexualität, Geschlecht und Macht nicht als getrennte Themen zu betrachten. Und sie machte sichtbar, dass lesbische Frauen nicht an den Rand einer feministischen Bewegung gehören, sondern mitten in sie hinein.

Steinems Vermächtnis ist damit auch ein Stück queerer Geschichte: die Geschichte einer Zeit, in der lesbische Sichtbarkeit noch erkämpft werden musste – und in der Solidarität zwischen feministischen und queeren Bewegungen alles andere als selbstverständlich war.

Gloria Steinem hat diese Verbindung mitgeprägt. Und genau deshalb gehört ihr Name nicht nur in die Geschichte des Feminismus, sondern auch in die Geschichte der lesbischen und queeren Emanzipation.

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Veröffentlicht:

04.09.2026

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