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Reise-Concierge
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Locals · Folge 1 · 2013

Johannesburg

DISPLAY besuchte die pulsierende Metropole Südafrikas – und lernte spannende Typen kennen.

Südafrika ist das einzige afrikanische Land, in dem die Adoption durch Gay-Paare legal ist und jährlich eine Pride stattfindet. Hier wohnen Menschen aus allen Nationen Afrikas, man trifft Nachfahren der Europäer aus der Kolonialzeit und der Asiaten, die im Zuge des Sklavenhandels hierherkamen. So sieht man auf der Strasse alle möglichen Schattierungen der Hautfarbe. DISPLAY hat ein paar bunte Jungs zum Date getroffen.

Bilder und Text Raphael Hadad · Assistenz Murat Step · SWISS City Check — eine regelmässige Zusammenarbeit zwischen SWISS und DISPLAY, ermöglicht durch Swiss International Air Lines.

Jason
Der Mr. Gay South Africa hält sich gern in den Gärten vor dem Regierungsgebäude in Pretoria auf, eine halbe Stunde von Johannesburg entfernt.

01 · Johannesburg

Jason

23 Jahre · Mr. Gay South Africa

«Wir sind vielleicht nicht alle mit dem gleichen Schiff hierhergekommen, aber wir sitzen alle im selben Boot.»

Jason wurde letzten Herbst zum Mr. Gay South Africa gekürt. Der 23-Jährige kommt aus Pretoria und will sich in seinem Amtsjahr für die Gayrechte in ganz Afrika einsetzen. Er freut sich auf seine erste Europareise im August. Da darf er Südafrika an der Gay World Pride in Belgien vertreten. Jason geniesst öfters den Sonnenuntergang gemeinsam mit seinem Freund in den Gärten hier vor dem Regierungsgebäude. Als Mr. Gay will er sich für Toleranz innerhalb der Szene einsetzen: «Südafrikas Bevölkerung entstammt vielen verschiedenen Kulturen. Und ganz egal, welche Kultur und Hautfarbe du hast, wir sind alle gleich. Die Apartheid ist vorbei, und wir müssen eine neue Gemeinschaft bilden. Als Gay-Botschafter möchte ich zeigen, dass Respekt der Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben ist.»

Godfrey
Godfrey flaniert gern durch das bunte Bo-Kap-Quartier.

02 · Johannesburg

Godfrey

23 Jahre · Kunststudent

«Ob wir schwarz oder weiss sind, spielt doch überhaupt keine Rolle.»

Für Godfrey gibt es keine Rassenunterschiede. Bei der Partnerwahl fühlt sich der 23-jährige Kunststudent jedoch zu hellhäutigen Boys hingezogen. Godfrey trifft man mehrmals in der Woche im Waterkant-Quartier: «Tagsüber herrscht hier die normale Vorortstimmung, aber bei Nacht geht die Post ab in Kapstadts Gaybourhood, dem schwulen Quartier. Hier reiht sich eine Gaybar an die andere. Überall heisse Männer und extravagante Drag Queens. Dazu gibt's Lounge-Kultur, sexy House Music und Kabarett.» Godfrey liebt es auch, durch das Bo-Kap-Quartier zu flanieren. Die Häuser gehörten im 17. und 18. Jahrhundert muslimischen Sklavengruppen aus Asien. Da sie ihre Häuser nicht weiss anmalen durften, ist jedes Haus in einer anderen Farbe gestrichen.

Kalayvan
Kalayvan besucht gern den Kunstmarkt «Arts on Main».

03 · Johannesburg

Kalayvan

23 Jahre · Berater

«Am Samstag gehe ich immer auf den Nachbarschaftsmarkt, und sonntags ist der Kunstmarkt «Arts on Main» ein Muss.»

Kalayvan arbeitet unter der Woche als Berater für ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Am Wochenende stürzt sich der 23-Jährige in die aufstrebende Künstlerszene in Johannesburg. Hier, zwischen leerstehenden Lagerhallen und heruntergekommenen Geschäftshäusern, entsteht ein neuer Hotspot, mit kleinen Märkten, Cafés und Bars auf den Dächern.

Jonard
Jonard kauft am liebsten im Shoppingcenter Menlyn Park ein.

04 · Johannesburg

Jonard

22 Jahre · Medizinstudent

«Meine Typen sind entweder zu jung oder zu alt, es klappt einfach nie.»

Jonard trainiert jeden Tag im Gym, studiert Medizin und fühlt sich noch nicht bereit für eine Beziehung. «Zum Glück steht meine Familie zu mir und mein Coming-out war kein Problem. Ich komme oft mit meinen Freunden hier in den Menlyn Park, das ist ein Shoppingcenter mit vielen Bars und Restaurants. Aufgrund der hohen Kriminalität verbringen wir eigentlich keine Zeit im Freien. Wir sind zu Hause, im Auto, im Büro oder in den Shopping Malls. Aber das ist schon okay, unsere Häuser sind gross genug, da wird uns nie langweilig.»

Ashver
Ashver wohnt gleich neben dem Montecasino mit seinen vielfältigen Vergnügungsangeboten.

05 · Johannesburg

Ashver

28 Jahre · PR-Agentur

«Willst du Europa in Südafrika sehen, dann reise nach Kapstadt. Aber das wahre Südafrika offenbart sich in Johannesburg.»

Ashver ist 28 Jahre alt und arbeitet für eine PR-Agentur. Er wohnt gleich neben dem Montecasino. Das ist DER Ort für Restaurants, Drinks, Massagen, Kino und vieles mehr. Die Einheimischen lieben es. «Meine Vorfahren stammen aus Indien, sie kamen im Rahmen des britischen Sklavenhandels nach Südafrika. Meine Eltern besitzen eine Lodge im Krüger Nationalpark, und Safari ist eine grosse Leidenschaft von mir. Hier werden die Trends gesetzt, hier wird gearbeitet, hier entsteht Kunst.»

Charl
In seinem Garten schmeisst Charl gerne Grillpartys.

06 · Johannesburg

Charl

36 Jahre · Pianist

«Die Natur dort ist wunderbar, genau so wie die Musik. Pretoria wird für alle, auch für Gays, immer interessanter!»

Charl spielt jeden Tag auf seinem Steinway-Klavier und tourt mit seinem Trio durch die Welt. Der 36-Jährige ist Single, geht gerne aus oder macht im Sommer mit Freunden ein Braai (Grillfest) im Garten. Charl schwärmt für das nahegelegene Pretoria mit seinem grossartigen Opernhaus und den exklusiven Restaurants. Er hat ein Mandat an der Uni: «Wenn ich in den Vortragssaal komme, dann sehe ich immer wieder die Studenten nach Hautfarbe gruppiert in den Reihen sitzen. Dann sage ich als erstes: Leute, die Apartheid ist vorbei, ihr dürft miteinander verkehren.» Am 28. Juli 2013 spielte Charl mit dem Charl du Plessis Trio am Musikdorf-Ernen-Festival im Wallis.

Treyvone
Treyvone arbeitet in Sandton, einem Vorort Johannesburgs.

07 · Johannesburg

Treyvone

29 Jahre · Marketing, Mode

«Hier arbeiten wir alle zusammen, eine grosse Familie, egal ob schwarz oder weiss.»

Treyvone sprudelt vor Lebensfreude und ist ein Strahlemann. Dabei hat der 29-Jährige viel durchgemacht. 1983 ist er im Township Soweto auf die Welt gekommen und hatte eine bitterarme Kindheit. Seine Mutter engagierte sich für seine Ausbildung, und so schaffte er es an die Fashion School in Pretoria und studierte Mode. Früh heiratete Treyvone seinen Freund, der mittlerweile leider gestorben ist. Mit ihm hätte er gern eine Familie gegründet und Kinder adoptiert. Das ist in Südafrika legal. Heute arbeitet er in Sandton, einem wohlhabenden Vorort Johannesburgs, in einer Marketingfirma. Leider sei dieses Denken in der Gayszene nicht angekommen, findet er: Immer noch herrsche Diskriminierung, und es gebe wenige Bars, wo weisse und schwarze Schwule gemeinsam hingehen.

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