Dresden richtet die Europride 2029 aus
Europas grösstes queeres Ereignis kommt in unsere Nachbarschaft. Dresden hat die Europride 2029 so gut wie sicher.
Die Würfel sind gefallen, zumindest de facto. Da bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist am 31. März keine weiteren Kandidaturen eingegangen sind, ist der Verein CSD Dresden die einzige Bewerberin. Die formelle Bestätigung durch die European Pride Organizers Association (EPOA) folgt am 10. Oktober beim Jahrestreffen in Magdeburg, gilt aber als reine Formsache.
Die Europride ist das grösste jährliche LGBTQ+-Ereignis Europas. Seit 1992 findet sie jeweils in einer anderen europäischen Stadt statt und umfasst eine Woche mit Kulturveranstaltungen, Menschenrechtskonferenzen und einer zentralen Parade. Die EPOA, ein Dachverband von rund 150 Prideveranstalterinnen aus 35 europäischen Ländern, vergibt den Titel jährlich. 2026 findet die Europride gemeinsam mit der Worldpride in Amsterdam statt, 2027 geht sie nach Turin, 2028 in den Westen Irlands. Für Deutschland wäre es nach Berlin 1993, Köln 2002 und Hamburg 2004 erst die vierte Austragung. Schon mal Reisepläne vormerken.
Ein Zeichen aus dem Osten
Die Symbolkraft der Entscheidung ist kaum zu überschätzen. Dresden steht derzeit unter Druck: Die Landesdirektion Sachsen hat angeordnet, dem dortigen CSD den Status als politische Versammlung zu entziehen, was das Strassenfest rechtlich deutlich schwächen würde. Politikerinnen und Politiker aus allen demokratischen Parteien ausser der CDU sowie der Dresdner Oberbürgermeister haben dem Verein bereits Rückendeckung gegeben.
Vereinsvorstand Ronald Zenker sieht in der Europride-Bewerbung eine direkte Antwort auf diesen Druck: «Das ist in der aktuellen Diskussion, ob unser politisches Strassenfest keine Demo mehr sein darf, endlich mal eine tolle Nachricht», sagte Zenker gegenüber der Sächsischen Zeitung. Der Verein erwartet rund 100.000 Besucherinnen und Besucher sowie ein einwöchiges Programm für queere Rechte.
Superwahljahr als Bühne
2029 ist zudem ein Superwahljahr in Deutschland mit Bundestags-, Europa- und Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Dass die Europride just in diesem Jahr und just in Dresden stattfindet, ist kein Zufall.

Maurice Müller
Online Redakteur
DISPLAY Magazin
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