Zürich verliert seine Stimme

Eine Zurich Pride ohne Festival wäre leiser. Und eine leise Pride wäre ein riesiger Rückschritt für die Stadt und Community.

Ein Kommentar von Daniel Strässle, Co-Geschäftsleiter DISPLAY

 

Nemo. Unvergesslich. Erst gerade auf der ESC-Bühne. Danach auf der Landiwiese bei uns am Zurich Pride Festival. Als Nemo 2024 den Eurovision Song Contest gewann und später auf der Bühne der Landiwiese stand, wurde etwas sichtbar, das weit über Musik hinausgeht. Hier traf Popkultur auf gesellschaftliche Debatte, individuelle Identität auf kollektive Aufmerksamkeit. Und mitten in dieser Spannung: die Zurich Pride.

Die Zurich Pride ist nicht nur eine Demonstration. Sie ist auch ein Festival. Es umfasst Bühnen, Partys und vor allem eine Plattform für queere Performer*innen, die im regulären Kulturbetrieb oft keinen Platz finden. Hier entstehen Karrieren, hier wird ausprobiert, hier wird sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt.

An diesem Tag kommen Menschen zusammen, die sich im Alltag kaum begegnen würden. Jung und alt, politisch radikal oder bürgerlich. Genau diese bunte Mischung macht den Charakter der Pride aus.

Wer in den letzten Jahren über das Festgelände schritt, merkte schnell, dass es nicht nur ums Feiern geht. Hier wird informiert zu QueerAltern und zu Regenbogenfamilien, es gibt Austausch mit den Vereinen wie LOS, Pink Cross oder Network.

Alle kommen miteinander ins Gespräch, lernen dazu, stellen Fragen. Und begegnen Arbeitgebern wie SWISS, die klar Haltung zeigen oder Unternehmen wie Gilead, die den Austausch zu Gesundheit in der Community fördern. Auffällig ist auch die Präsenz der Wirtschaft. Da zeigen sich Firmen, die seit Jahren dabei sind: ZKB, SWISS, Coca-Cola, Takeda und viele mehr. Und es gibt jene, die plötzlich auftauchen, obwohl man sie sonst kaum im queeren Kontext sieht: IKEA, Raiffeisen, Helvetia. Unternehmen, die an diesem Ort einmal zeigen, wofür sie gerne stehen würden.

Sogar CEOs laufen mit. 2025 waren zum Beispiel die Chefs von ZKB und SWISS vor Ort. Das ist ein wichtiges Zeichen. Und es ist das Resultat eines Anlasses, der gross genug ist, um relevant zu sein.

Auch für queere Medien ist dieser Tag entscheidend. Hier trifft man jene Generation, die sonst kaum noch Medien konsumiert, aber zu allem gerne eine Meinung hat.

All das wäre mit einer reinen Parade nicht möglich. Und auch nicht mit einem alternativen Modell auskleinen, dezentral verstreuten Bühnen, aufgeteilt nach politischer Haltung oder sexueller Identität. Jede Fragmentierung reduziert Sichtbarkeit.

Jedes Fest braucht einen gemeinsamen Ort. Und jede Community braucht eine Bühne, auf der kleine und grosse Stars Platz haben. Genau diese Bühne steht nun infrage. Wenn das Zurich Pride Festival 2026 nicht mehr in dieser Form stattfinden kann, verliert die Community mehr als ein Wochenende im Jahr. Sie verliert einen zentralen Ort der Begegnung. Die Frage ist deshalb nicht, ob man Pride mag oder nicht. Die Frage ist, was es für eine offene Stadt bedeutet, wenn ein solcher Anlass verschwindet oder massiv verkleinert wird. Zürich ist stark, wenn es Vielfalt nicht nur toleriert, sondern sichtbar macht.

Eine Zurich Pride ohne Festival wäre leiser. Und eine leise Pride wäre ein Rückschritt.

Mein Dank gilt allen ehrenamtlichen Personen aus der Community, unseren Allies, allen Firmen, die die Infrastruktur mittragen. Und der Stadt Zürich, dass sie sich klar zu diesem Anlass bekennt.

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Unterzeichne die DISPLAY-Petition zur Rettung des Zurich Pride-Festivals! –> Link