Je mehr der türkische Machthaber Erdoğan politisch unter Druck gerät, desto mehr lässt er auf Minderheiten einprügeln, um von seinem eigenen Versagen abzulenken.
So auch unlängst wieder, als er gegen mehrere Aktivistenvereine der Community vorging. Bei landesweiten Razzien sind hunderte Menschen festgenommen worden. Den Verhaftungen waren Ermittlungen wegen angeblicher «Vereinsgründung zum Begehen einer Straftat, Prostitution, Obszönität» sowie Drogenbesitzes vorausgegangen.
Die Proteste gegen diese Repression liess der türkische Machthaber polizeilich auflösen; eine Anwältin und mehrere Journalisten wurden verhaftet.
Gleichgeschlechtliche Liebe ist in der Türkei nicht illegal. Die Regierenden rechtfertigen ihre repressiven Massnahmen mit einer angeblichen Bedrohung von Zucht und Ordnung durch Queers.
In einer Erklärung der Staatsanwaltschaft hiess es, es seien Beweise gefunden worden, wonach durch die Aktivitäten der queeren Vereine Minderjährige in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität beeinflusst würden. Die Razzien hätten das Ziel, zu verhindern, dass diese Aktivitäten in der Gesellschaft «als normal angesehen werden – zum Wohle der Kinder sowie zum Schutz der Institution der Familie und der gemeinsamen moralischen Werte».
Die Staatsanwaltschaft betitelte die Razzien zynisch als «Meine Familie ist in Sicherheit»-Operation.
