Lady Gaga – Poker Face, Bi Face
Lady Gaga gehört zu den bekanntesten bisexuellen Popstars überhaupt – und musste trotzdem immer wieder erklären, dass ihre Bisexualität kein PR-Gimmick ist. Bereits 2009 erzählte sie, dass «Poker Face» unter anderem davon inspiriert wurde, beim Sex mit ihrem Freund an Frauen zu denken. Später sprach sie offen über Bi-Erasure und darüber, dass ihre Anziehung zu Frauen von manchen nicht ernst genommen wurde. Gaga? Vielleicht einfach: Poker Face, aber keine Erklärungs-Pflicht.
Anitta – «So what?»
Brasiliens Pop-Superstar Anitta hat ihre Sexualität nie zum grossen Drama gemacht. Besonders schön ist die Geschichte, wie sie ihrer Mutter von ihrer Verwirrung erzählte: Anitta hatte sowohl Männer als auch Frauen geküsst und wusste nicht recht, was das über sie aussagte. Die Reaktion ihrer Mutter? «So what?» Mehr Akzeptanz in zwei Wörtern geht eigentlich kaum. Und ehrlich gesagt: Diese Antwort hätten sich vermutlich einige von uns schon früher gewünscht.
Frank Ocean – kein Label nötig
Frank Ocean machte 2012 mit einem offenen Brief über seine erste grosse Liebe, einen Mann, international Schlagzeilen. Er schrieb über seine Gefühle mit einer Offenheit, die in der Hip-Hop- und R&B-Welt damals alles andere als selbstverständlich war. Als er später gefragt wurde, ob er sich als bisexuell identifiziere, wollte er sich jedoch nicht festlegen. Sein Leben sei «dynamic», erklärte er. Eine wichtige Erinnerung: Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch, dass man sich ein Label auf die Stirn kleben muss.
Keiynan Lonsdale – ein Coming-out mit drei Sätzen
2017 schrieb der Love, Simon-Star auf Instagram: «I like girls, & I like guys». Kurz, direkt, erledigt. Später erklärte Lonsdale, dass er sich nicht unbedingt mit einem bestimmten Label identifizieren müsse und sich eher als queer sehe. Besonders passend: Seine Rolle in Love, Simon half ihm selbst dabei, seine Sexualität besser zu verstehen. Ein Film über einen Teenager, der Angst vor seinem Coming-out hat, wurde für den Schauspieler also auch persönlich ein Stück Befreiung.
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Mehr InformationenBillie Eilish – «Why can’t we just exist?»
2023 sprach Billie Eilish öffentlich darüber, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Als Variety sie später auf ihr angebliches «Coming-out» ansprach, reagierte sie eher überrascht als dramatisch: «I kind of thought, wasn’t it obvious?» Und dann stellte sie die eigentlich viel interessantere Frage: «Why can’t we just exist?» Eben. Vielleicht muss nicht jede queere Erfahrung zum grossen PR-Moment werden, um gültig zu sein.
Halsey – zwischen Label und Freiheit
Halsey hat sich immer wieder offen über ihre Anziehung zu verschiedenen Geschlechtern geäussert und sich als bisexuell bezeichnet. In ihrer Musik und öffentlichen Persona war Queerness dabei nie nur eine Randnotiz. Gleichzeitig hat sie auch über die Schwierigkeiten gesprochen, als bi wahrgenommen zu werden – insbesondere dann, wenn man in einer heterosexuellen Beziehung lebt. Denn offenbar braucht es für manche Menschen immer noch einen PowerPoint-Vortrag, bevor sie akzeptieren, dass Bi-Sein nicht davon abhängt, mit wem man gerade Händchen hält.
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Mehr InformationenAngelina Jolie – Bi-Icon der frühen 2000er
Lange bevor «Bi Visibility» zum Social-Media-Begriff wurde, sprach Angelina Jolie offen über ihre Bisexualität. 2003 sagte sie in einem Interview: «I love women and men equally.» Ihre Beziehungen mit Männern und Frauen wurden damals entsprechend ausführlich von der Presse kommentiert. Jolie selbst blieb dabei bemerkenswert gelassen. Ihre Botschaft war im Grunde simpel: Anziehung ist Anziehung – und nicht unbedingt eine Sache, die man der Boulevardpresse erklären muss.
Lili Reinhart – mehr als nur Riverdale
2020 machte Lili Reinhart ihre Bisexualität öffentlich – bewusst ohne grosses Coming-out-Spektakel. Sie erzählte später, dass sie schon länger wusste, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt, aber Angst hatte, man könnte ihr unterstellen, sie wolle damit Aufmerksamkeit. Besonders viel diskutiert wurde ihre Frage: «Isn’t everyone bisexual?» Die Antwort ist zwar nein – aber der Gedanke dahinter bleibt: Warum müssen wir unsere Sexualität eigentlich ständig vor einem imaginären Gericht beweisen?
Kit Connor – der Übergang zwischen Star und Figur
Und dann wäre da noch Kit Connor. Oder besser gesagt: Kit Connor und Nick Nelson, die sich in einer etwas ungewöhnlichen Weise überschneiden.
In Heartstopper spielt Connor Nick Nelson, einen Teenager, der seine Bisexualität entdeckt, während er sich in Charlie verliebt. Die Serie gibt Nick Zeit, Fragen zu stellen, sich auszuprobieren und selbst zu entscheiden, wann er bereit ist, darüber zu sprechen.
Im echten Leben bekam Connor leider deutlich weniger Raum. 2022 wurde der damals 18-Jährige online des «Queerbaitings» beschuldigt und schliesslich zu einem öffentlichen Coming-out gedrängt. Seine Reaktion auf Twitter war entsprechend deutlich: «I’m bi. Congrats for forcing an 18 year old to out himself.»
Dass ausgerechnet der Schauspieler einer Serie, die so stark für das Recht auf ein selbstbestimmtes Coming-out steht, selbst dazu gedrängt wurde, ist wohl eine der bittersten Ironien der Popkultur.
Und damit kommen wir zu unseren nächsten Bi-Icons: den Figuren, die uns auf dem Bildschirm gezeigt haben, wie unterschiedlich Bisexualität aussehen kann.
Rosa Diaz – trocken, tough und bi
Rosa Diaz aus Brooklyn Nine-Nine ist der Beweis, dass eine bisexuelle Figur nicht plötzlich zur wandelnden Pride-Fahne werden muss. Rosa bleibt Rosa: verschlossen, tough und chronisch schlecht darin, über Gefühle zu reden.
Ihr Coming-out gegenüber ihren Kolleg*innen wird nicht als grosses Spektakel inszeniert. Später erzählt sie auch ihren Eltern davon – und muss sich mit genau den Vorurteilen auseinandersetzen, die viele bisexuelle Menschen kennen: «Ist das nur eine Phase?» oder «Aber du könntest doch trotzdem einen Mann heiraten.»
Die Serie nimmt diese Stereotype ernst, ohne Rosa darauf zu reduzieren. Und das ist vielleicht ihre grösste Stärke.
Oberyn Martell – Westeros‘ unkompliziertester Verführer
In einer Welt voller Intrigen, Drachen und Menschen, die offensichtlich dringend Therapie bräuchten, ist Oberyn Martell erstaunlich entspannt, wenn es um Begehren geht.
Der «Red Viper» aus Game of Thrones liebt Frauen und Männer – und macht daraus ungefähr so viel Drama wie aus einem Glas Wein. Seine Bisexualität ist kein grosses Identitätsproblem und keine tragische Nebenhandlung. Sie ist einfach Teil von Oberyns Lebenslust, Freiheit und Selbstverständnis.
Oder kurz gesagt: In Westeros kann man offenbar niemandem trauen. Aber wenigstens weiss Oberyn, was er will.
Fleabag – Sex, Chaos und komplizierte Gefühle
Fleabag ist nicht gerade das Poster-Girl für emotionale Stabilität. Die titelgebende Heldin der britischen Serie stolpert durch Affären, Trauer, Selbstsabotage und Beziehungen – und ihre Sexualität lässt sich dabei nicht besonders sauber in eine Schublade packen.
Ein grosses Coming-out gibt es nicht. Muss es auch nicht. Fleabag ist eine Figur, bei der Sexualität genauso chaotisch und widersprüchlich sein darf wie der Rest ihres Lebens. Und vielleicht ist genau das ziemlich realistisch.
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Mehr InformationenBi, Punkt.
Bi Visibility Month erinnert uns daran, dass Bisexualität noch immer mit Vorurteilen und Erklärungsbedarf zu kämpfen hat – auch innerhalb der LGBTQ+ Community. «Unentschlossen», «nur eine Phase» oder: «Wenn er mit einem Mann zusammen ist, ist er doch einfach gay.» Dabei ist Bis-Sein kein Zwischenstopp und schon gar keine 50/50-Rechnung.
Man kann bi sein und mit einem Mann zusammen sein. Mit einer Frau. Mit niemandem. Man kann ein Label wollen, keines brauchen oder es irgendwann ändern.
Sichtbarkeit bedeutet nicht, sich ständig erklären zu müssen. Sie bedeutet, gesehen zu werden – auch dann, wenn die eigene Realität nicht ins erwartete Bild passt.
