Drei Jahre lang hat Sam Smith an «Hazel Eyes» geschrieben, gemeinsam mit einem kleinen, vertrauten Kreis: Produzent Simon Aldred, Multiinstrumentalist Shahzad Ismaily, Streicherarrangeur Rob Moose und Gastsängerin Feist. Aufgenommen wurde vieles in New York, unter anderem in den legendären Electric Lady Studios – der Stadt, die Smith mittlerweile ihr Zuhause nennt. Am 21. August ist das Album, der Nachfolger von «Gloria» (2023), bei Capitol Records erschienen.
Musikalisch ist das ein bewusster Bruch. Statt der grellen Pop-Eskalation von «Unholy» hört man jetzt Trompeten, Gospelchor, Doo-Wop-Anklänge und warme Streicher – ein Sound, den Smith selbst als «old-world», also fast zeitlos-nostalgisch beschreibt. Wo frühere Alben, allen voran der Welthit «In the Lonely Hour», noch von imaginiertem Herzschmerz erzählten, schreibt Smith diesmal aus echter, glücklicher Beziehung heraus: Der Albumtitel ist eine Anspielung auf die Augenfarbe von Verlobtem Christian Cowan. Es geht Smith explizit darum, queere und nonbinäre Liebe sichtbar zu machen, wie sie selbst sie als junger Mensch nie auf der grossen Bühne gesehen hat.
Die dritte und zentrale Single «My Guy» ist so etwas wie das Herzstück: eine unbeschwerte, an einem Sommertag mit Freund:innen geschriebene Liebeserklärung, die laut Smith Nähe in einer «manchmal kalten, distanzierten Welt» spürbar machen soll. Daneben stechen «Everlasting Love» und das mit Feist eingespielte «Moondance» heraus, während Closer «To Be Free» mit der Zeile «Lost my faith in perfect» zeigt, dass hier niemand ein kitschfreies Märchen erzählt – Songs wie «Thief» thematisieren durchaus auch Eifersucht und Verletzlichkeit innerhalb der Beziehung.
Nicht alles sitzt: Die vielen Fluss-, Gezeiten- und Sternenmetaphern wiederholen sich, und der Doo-Wop-Ausflug «Sugar Rush» wirkt streckenweise wie aus einem anderen Album importiert. Doch die Ehrlichkeit und stimmliche Klasse tragen «Hazel Eyes» souverän über diese kleinen Durchhänger hinweg.
Bewertung: ★★★★☆ (4/5)
