Heute lebt Neil Patrick Harris offen schwul, ist seit Jahren mit seinem Ehemann David Burtka zusammen und hat mit ihm zwei Kinder. 2006 sah die Welt allerdings noch etwas anders aus – und sein öffentliches Coming-out mit 33 Jahren war offenbar nicht einfach der selbstbestimmte Befreiungsschlag, als der es rückblickend erscheinen könnte.
Im Podcast «Great Company» erzählte der Schauspieler nun, dass damals Blogs und Online-Medien über seine Sexualität spekulierten und ein unfreiwilliges Outing drohte. Harris entschied sich deshalb, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen – bevor andere seine Geschichte für ihn erzählen konnten.
Bloss keinen «Skandal»
Harris wollte vor allem verhindern, plötzlich auf eine vermeintliche Enthüllung reagieren zu müssen. Er habe keine Lust auf einen «Skandal» gehabt und wollte nicht im Nachhinein Stellung zu einer Geschichte beziehen müssen – unabhängig davon, ob sie stimmte oder nicht.
Also ging er in die Offensive.
Ganz ohne Angst geschah das nicht. Harris befürchtete, dass das Label «schwul» fortan seine Karriere bestimmen und ihm wie ein Stigma anhaften könnte. Eine Sorge, die sich glücklicherweise grösstenteils nicht bewahrheitete.
Gerade deshalb wirkt seine Geschichte heute wie eine Erinnerung daran, wie sehr sich die Bedingungen für queere Prominente verändert haben – und wie problematisch sie teilweise noch immer sind. Denn ein Coming-out ist nur dann wirklich selbstbestimmt, wenn die betreffende Person auch selbst entscheiden kann, ob, wann und wie sie darüber spricht.
Schwul – aber immer unter Beobachtung
Harris' Verhältnis zur Öffentlichkeit begann ohnehin lange vor seinem Coming-out. Bereits als Jugendlicher wurde er mit der Serie «Doogie Howser, M.D.» zum Star.
Rückblickend sieht er diese frühe Berühmtheit durchaus kritisch. Ihm habe eine Phase gefehlt, in der er einfach anonym ausprobieren konnte, wer er eigentlich sein wollte. Statt Teenager-Chaos und Experimenten war er von Erwachsenen, Dreharbeiten und öffentlicher Aufmerksamkeit umgeben. Einfach mal mit einem völlig anderen Look herumzulaufen oder in einer Bar abzustürzen, ohne dass jemand hinschaut? Für Harris kaum möglich.
Dasselbe galt für seine Sexualität. Er habe zwar gewusst, dass er schwul sei – sich damals aber kaum vorstellen können, eines Tages offen in einer Beziehung zu leben und eine Familie zu haben.
Heute ist genau das Realität.
Und vielleicht steckt darin der schönste Teil seiner Geschichte: Was Harris sich als junger schwuler Mann nicht einmal zu träumen wagte, ist längst sein ganz normales Leben.
