Kommerz oder Kampf: Die Pride und ihr 30-jähriger Streit

Politik

Bilder Michal Drozd und Henrique Ferreira
Der Fight zwischen politischem Anspruch und kommerzieller Realität ist so alt wie die Zurich Pride selbst. In diesem Jahr hat der Streit das Festival wieder eingeholt. Was nach der Absage des Pride-Festivals folgte, war ein «WE DID IT!» auf Instagram, tiefe Enttäuschung in den Kommentarspalten und ein Narrativ über fehlende Pride-Sponsoren, das einer Überprüfung nicht standhält. DISPLAY hat nachgefragt, nicht alle Antworten bekommen und den Druck gespürt, der entsteht, wenn man unbequeme Fragen stellt.

Eine klare Mehrheit der Mitglieder des Vereins Zürich Pride stimmte an der ausserordentlichen Generalversammlung für die Absage des Festivals 2026. Demo und Partys finden statt, der grosse Event auf der Landiwiese hingegen nicht. Noch in derselben Nacht erschien auf Instagram ein «WE DID IT!». Gepostet hatte es der Community-Aktivist Joshua Amissah, mit Tags an SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser und den Account @presidentofswitzerland. Für einen Teil der Community war die Absage kein Verlust. Sie war das Ziel. Die Berichterstattung von DISPLAY hat viele queere Personen in der Schweiz bewegt. Die Kommentarspalten auf dem Insta-Account @display.magazin quollen zum Teil über. Die Reaktionen reichten von Enttäuschung über Wut bis zur Erleichterung. Die Reaktionen zeigen, wie tief die Gräben verlaufen. Und sie werfen Fragen auf, die sich die Community stellen sollte.

30 Jahre derselbe Streit

Die Historikerin Gioia Jöhri hat Anfang dieses Jahres ihre Aufarbeitung «30 Jahre queeres Engagement» veröffentlicht. Der Verein Zurich Pride wollte damit seine Historie aufarbeiten. Die Broschüre der Winterthurerin stützte sich auf bisher unveröffentlichtes Archivmaterial der Pride und wurde indirekt durch die Stadt Zürich finanziert. Schon 1996, ein Jahr nach der Vereinsgründung, tauchen in den Sitzungsprotokollen die Fraktionen «Politisch» und «Kommerz» auf. Es gibt kein einziges Jahr, in dem dieser Streit zwischen Aktivismus und Eventkultur nicht für rote Köpfe gesorgt hätte. Der Fight gehört zur DNA dieses Vereins.

Umstrittenes Sponsoring

Die 28-Jährige bestätigt diesen Befund aus der Langzeitperspektive: «Es gab immer zwei Strömungen», sagt sie. «Einerseits die aktivistische Seite, die aus der Schwulen- und Lesbenbewegung der 1970er hervorging und den CSD als politische Plattform verstand. Und andererseits jene, die gesellschaftliche Anerkennung suchten und dachten, man müsse sich stärker dem Mainstream annähern – auch über Sponsoren.»

Schon in den 1990er Jahren sei Sponsoring zwar kein Tabu, aber eine Gratwanderung gewesen. «Die Grundfrage war immer dieselbe: Machen wir uns abhängig, wenn wir Firmen einbinden?»

Das Pendel schwingt seit drei Jahrzehnten hin und her:

– 1999 stiegen Pink Cross und die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) strategisch in den CSD-Vorstand ein, weil sie eine Übernahme durch kommerzielle Clubs befürchteten.
– Ab 2012 kamen Grosssponsoren wie Credit Suisse, Google und UBS dazu.
– 2018 störte eine Gruppe die Veranstaltung aus Protest gegen zu viel Kommerz und zu wenig Politik.
– 2022 entstand in Zürich ein alternativer «antikapitalistischer CSD».
– 2026 stimmte die Mehrheit der Vereinsmitglieder der Zurich Pride gegen ein Festival nach dem Demonstrationsumzug.

Das Narrativ ändert sich. Der Mechanismus aber nicht.

Gioia Jöhri sieht darin historisch eine typische Verschiebung parallel zum Fortschritt politischer Forderungen: «Solange es gemeinsame Anliegen gibt wie das Partnerschaftsgesetz oder die ‹Ehe für alle›, hat man ein gemeinsames Ziel und es dominiert der politische Fokus.» Wenn solche Ziele dann erreicht seien, öffne sich der Raum und es kämen wieder verschiedene Ideen zur Ausgestaltung der Pride an die Oberfläche, die diskutiert werden möchten.

Ein Antrag, der wiederkam

Noch im vergangenen November stellte das Zurich-Pride-Mitglied Florian Vock an der ordentlichen Generalversammlung einen Antrag: Verzicht auf das zentrale Grossevent, stattdessen ein lauter Umzug durch die Innenstadt und dezentrale Festgelände. Der Verein lehnte ab, mit 80 Nein zu 44 Ja.

Florian Vock

Drei Monate später lagen zwei neue Anträge auf dem Tisch, eingereicht wieder von Florian Vock, Alessandra Widmer, Hanna Janssen und Ray Djuric.
– Antrag 1 forderte die Ablehnung des Ticketings, also des neu geplanten Eintrittsgelds, das auf dem Turbinenplatz erstmals hätte eingeführt werden sollen. «Sichtbarkeit soll sich keiner von uns erkaufen müssen», lautete die Begründung. Volksanlässe wie die Fasnacht oder das Züri Fäscht würden schliesslich auch keinen Eintritt verlangen.
– Antrag 2 forderte die Absage des Festivals selbst. Wer in der aktuell desolaten finanziellen Situation der Pride Antrag 1 verstand, verstand auch Antrag 2: Ohne Einnahmen kein Festival.

Die vier traten als Einzelmitglieder auf. Ihr Gewicht in der organisierten LGBTQ+-Bewegung ist jedoch beträchtlich. Florian Vock ist Mitgründer der Milchjugend, stellvertretender Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, Vorstandsmitglied von Pink Cross und versuchte Anfang März in den Zürcher Gemeinderat einzuziehen. Alessandra Widmer ist Co-Geschäftsleiterin der LOS. Hanna Janssen und Ray Djuric waren wie Vock bei der Milchjugend aktivistisch tätig. Wenn diese vier Anträge stellen, tun sie das mit dem Gewicht von Akteur:innen, die in Schlüsselorganisationen der Schweizer LGBTQ*-Bewegung verankert sind.

Gioias Archivarbeit macht deutlich: Das ist kein neues Phänomen. 1999 stiegen Pink Cross und LOS in den Vorstand ein, um kommerzielle Einflussnahme zu verhindern. Dieselbe Logik, eine Generation später: Damals galt es, kommerzielle Clubs draussen zu halten. Heute soll der Kommerz, der längst drin ist, wieder hinaus. Ein Graus war den Antragsteller:innen aber vor allem das Ticketing, aufgrund dessen die Besucher:innen einen Eintritt hätten bezahlen müssen.

Nach der Abstimmung an der ausserordentlichen GV stellten sich Pink Cross, LOS und weitere nationale LGBTQ+-Organisationen gemeinsam hinter den Verein Zurich Pride; mit einem Solidaritätsstatement, das Einigkeit beschwor. Was dabei auffällt: Die genannten Organisationen stützen ein Ergebnis, das massgeblich von Personen aus den eigenen Reihen herbeigeführt wurde. An der Generalversammlung wurde auch beschlossen, dass der Entscheid gegen das Festival von allen gemeinsam getragen werden sollte. Alessandra Widmer betont: «Wir alle sind mit dem Antrag innerhalb unserer Organisationen transparent umgegangen. Das Statement der Dachverbände bekräftigt die Haltung der Community als Ganzes, die sich an der Generalversammlung über Organisationsgrenzen hinaus mit einer klaren Mehrheit für eine Absage des Festivals ausgesprochen hat.»

«Ein grosses Festival muss finanziell tragbar sein»

Florian Vock ist überzeugt, dass der Entscheid der Versammlung richtig war. «Die vergangenen Jahre haben grosse Defizite verursacht», schreibt er auf Anfrage von DISPLAY. «Ein grosses Festival ist eine tolle Sache, aber es muss finanziell tragbar sein.» Schon die letzten Jahre sei dies ökonomisch und personell eine offensichtliche Grenzüberschreitung gewesen. Die vielen Wechsel im Vorstand seien ein Zeichen dafür, dass der Verein nicht nur finanziell, sondern auch bei der Arbeitsbelastung an seine Grenzen gestossen sei.

Zu seinen verschiedenen Rollen und Funktionen schreibt Florian: «Alle, die mich kennen, wissen, wie pedantisch ich meine Rollen trenne.» An der Pride selbst sei er als Einzelmitglied präsent gewesen. Sein Arbeitgeber sei zudem national, nicht lokal tätig und auch kein Mitglied bei der Zurich Pride.

Florian Vock bestätigt auch seine Beteiligung an einer am 20. Juni geplanten Party im Provitreff. Die Location sei schon vor geraumer Zeit gebucht worden und werde im selben Rahmen wie in den Vorjahren stattfinden. Eine Verbindung zwischen dem Partydatum und dem GV-Entscheid verneint er. Die Veranstaltung sei unabhängig davon geplant worden.

Das Sponsoren-Narrativ

Ein zentrales Bild, das der Pride-Vorstand rund um die Festival-Absage immer wieder zeichnete, lautete: Die Sponsoren würden fehlen. Dieses Bild stimmt so aber nicht. Wie DISPLAY bereits Anfang Jahr in einem Hintergrundbericht aufgezeigt hat, war die finanzielle Lage der Pride deutlich anders als öffentlich dargestellt. Deshalb haben wir bei den Pride-Sponsoren noch einmal angeklopft.

Die Zürcher Kantonalbank, langjährige Pride-Partnerin, bestätigt gegenüber diesem Magazin, dass sie die Vertragsverlängerungs-Option für die Periode 2026 bis 2028 bereits im Dezember 2024 schriftlich bestätigt hatte. Dies zu unveränderten Konditionen. Der Technologiekonzern Google, seit über einem Jahrzehnt der Pride verpflichtet, teilt mit, seine Unterstützung sei vor der ausserordentlichen GV im gleichen Rahmen wie in den Vorjahren vorgesehen gewesen. Gleiches bestätigt die Grossbank UBS. Das Pharmaunternehmen Takeda, auch langjähriger Co-Partner des Vereins, will seine Partnerschaft 2026 ebenfalls unverändert fortsetzen. Gemeinsam wolle man nun an neuen community-orientierten Formaten arbeiten.

DISPLAY kennt auch Unternehmen, die neu als Sponsoren bei der Pride einsteigen wollten. Das Bild, das sich ergibt: Die Bereitschaft der Wirtschaft war da. Auch die Stadt Zürich hatte die Tür offen. Sprecher Patrick El-Kurdi vom Präsidialdepartement teilt mit, dass für das Jahr 2026 kein Gesuch um finanzielle Unterstützung eingegangen sei. «Falls ein solches Gesuch eingeht, prüft es die Stadt.» Mit Bedauern habe man die Festivalabsage zur Kenntnis genommen; gleichzeitig sei man froh, dass die Demonstration stattfinde.

DISPLAY hatte zudem Hinweise erhalten, dass die Pride-Leitung Anfang Jahr mindestens auf gewisse Sponsoren gar nicht erst aktiv zugegangen war. Julia Müller, Leiterin der Geschäftsstelle des Vereins Zürich Pride, wollte auf diese und weitere konkrete Fragen inhaltlich nicht eingehen. Der Verein arbeite aktuell «intensiv an der strategischen Neuausrichtung» und werde «zu gegebenem Zeitpunkt wieder kommunizieren». Auch diese Haltung ist nicht neu: Schon vor der ausserordentlichen GV liess der Verein wichtige Fragen unbeantwortet.

An dieser Stelle gehört auch unsere eigene Situation in diesen Artikel. Seit der DISPLAY-Berichterstattung haben sich erste Werbekunden zurückgezogen, mit dem Hinweis, die Berichterstattung sei zu kritisch. Einflussnahme auf Medien, mitten in der queeren Community. Wir erlauben uns trotzdem, weiterhin kritische Fragen zu stellen; weil wir Teil dieser Community sind und es ihr gegenüber für gerecht halten, auch unbequeme Zusammenhänge auszuleuchten. Wer über Machtstrukturen berichtet, bekommt den Druck zu spüren. Das gehört zum Journalismus.

Schublade auf: Plan B war offenbar bereit

Keine 24 Stunden nach der Festival-Abstimmung standen zwei Grosspartys im Programm; RUSH before Pride am Freitag und RUSH after Pride am Samstag, direkt an der Limmat im Provitreff. Florian Vock hat seine Beteiligung an der Samstags-Party, wie oben ausgeführt, bestätigt. Die Location sei schon vor geraumer Zeit gebucht worden.

Rund um den Zürcher Veranstalter Reto Hanselmann entstand parallel dazu ein grösseres Partyprojekt, das am Abend nach der Demo am 20. Juni im Kaufleuten stattfinden soll. Hanselmann stellt klar, was sein Antrieb ist: «Ich finde es mega schade, eigentlich traurig, dass so viele Menschen extra an diesem Tag nach Zürich kommen. Und jetzt passiert danach nichts mehr.» Er habe auf Anfrage von Medien ein Statement abgegeben, dann sei das Projekt gewachsen.

Reto Hanselmann

Zur Schlagzeile «Hanselmann rettet die Pride», möchte er gegenüber DISPLAY klar sein: «Das war eine Übertreibung; ich habe nie gesagt, dass ich die Pride retten will.»

Der Event im Kaufleuten trage bewusst nicht seinen Namen. Hinter dem Projekt stehen Dragqueen Gossipa, Michael Grabröder, Michael Epiney, Alf Heller, Steven Epprecht und Reto Hanselmann selbst; ein breites Netzwerk aus Menschen, die in der Szene verwurzelt sind. «Es ist ein Miteinander-Event», sagt der «Season of the Witch»-Veranstalter. Einen Teil des Erlöses wolle man direkt an den Verein Zurich Pride zurückgeben.

Gossipa sieht die Lage pragmatisch: «Jammern können andere, wir organisieren lieber.» Als Dragqueen und Sozialpädagogin kennt sie die Pride aus vielen Perspektiven. Sie weiss, wie viel in diesem Jahr wegfallen wird: Die Festivalbühne sei für queere Künstlerinnen und Künstler weit mehr als ein Auftrittsort gewesen. Viele Menschen sähen dort zum ersten Mal Dragqueens live, das schaffe Sichtbarkeit weit über die Szene hinaus.

Gossipa

«Beträchtlicher Umsatzverlust»

Erik Schlumpf, Mitinhaber der Cranberry Bar, kennt das Festival von innen. Die Bar war seit den Anfängen mit einem eigenen Stand vertreten; zuerst auf dem Platzspitz und bis zuletzt auf der Landiwiese. «Der Wegfall des Festivals ist nicht nur ein beträchtlicher Umsatzverlust; es fehlt auch der Auftritt und die Sichtbarkeit für die Community», sagt Erik. Die Enttäuschung über die Absage sei in der Szene spürbar.

Der 57-Jährige sieht auch strukturelle Gründe für das Scheitern des Festivals in diesem Jahr: «Überlegenswert wäre eine Ausgliederung an eine professionelle Eventorganisation.» Das Pride-Festival scheine doch etwas zu gross geworden zu sein für «eine kleine Volontär-Gruppe».

Erik Schlumpf

Martin Fawer hat über mehrere Jahre die Bühnen der Zürcher Pride verantwortet. Er hält die Debatte für zu simpel gestrickt. Mit schlanken Budgets habe man damals Künstlerinnen und Künstler engagiert, die echte queere Haltung transportiert hätten. Und beides sei gleichzeitig möglich: «Politik und Fest». Demonstration und Spektakel würden sich nicht gegenseitig ausschliessen, «sie verstärken sich».

Was ihn beschäftigt: Wenn der Verein das Festival nun an Clubs und Eventgruppen übergibt, bestehe die Gefahr, dass die Pride-Verantwortlichen so die gestalterische Kontrolle verlieren könnten. Und damit etwas Wesentliches.

Martin Fawer

Luca Papini, DJ, Host und als Tara LaTrash erste Drag Queen der Schweiz, macht keinen Hehl aus seiner grössten Sorge: «Ich befürchte eine Zersplitterung.» Nur zusammen sei die Community stark und könne geeint für die unterschiedlichen Lebensweisen kämpfen. Die Kritik an der Kommerzialisierung bringt ihn in Rage: «Die, die am lautesten motzen, sehe ich dann auf dem Gelände tanzen und konsumieren. Und zwar gratis, weil sie die Getränke selbst mitgebracht haben, anstatt die Angebote vor Ort zu nutzen!»

Ein Festival brauche Infrastruktur; Strom, Toiletten, Sicherheit. Das alles koste. Die Stadt Zürich, findet Luca zudem, sollte sich viel stärker einbringen: «Man kann sich nicht die Vielfalt auf die Fahne schreiben und diese dann nur kleinlich unterstützen.»

Luca Papini

Gossipa fasst zusammen, was viele in der Community bewegt: Grosse Veranstaltungen funktionierten heute nicht ohne kommerzielle Unterstützung; das sei eine Tatsache. Als Künstlerin sieht sie deshalb alles pragmatisch: «Viele Drag Artists leben zumindest teilweise von solchen Auftritten.» Gleichzeitig dürfe die Pride nie nur Marketingplattform sein. «Der politische Kern muss im Zentrum bleiben». Und: «Es muss Platz haben für ein Festival, bei dem sich alle einbringen können; und wo Sponsoren auch zeigen können, was sie für unsere Community tun.»

Ein dezentrales Modell, also Partys und Events verteilt über die ganze Stadt anstelle eines zentralen Festivalgeländes, habe seinen Charme, sagt Gossipa weiter, aber es fehle die kollektive Energie des grossen gemeinsamen Moments. «Ein einzelner Glitzerstein ist hübsch. Ein ganzes Kleid voller Strass sieht man halt von sehr weit weg.»

Wie geht es nun weiter?

Je nach Jahr ziehen zwischen 20‘000 und mehr als 50‘000 Personen an der Pride-Demo durch Zürich. Sie lösen sich danach nicht einfach in Luft auf. Julia Müller von der Geschäftsstelle des Vereins Zurich Pride sprach gegenüber SRF von dezentralen Strassenfesten, verteilt über ganz Turicum. «Man darf ja träumen», sagte sie. Florian Vock beantragte im vergangenen November genau das und wurde damals – wie ausgeführt – gewaltig überstimmt. Heute ist sein Vorschlag Programm und Julia Müller muss nicht mehr länger träumen.

«Ein Festival zieht massiv mehr Menschen an und hat dadurch einen viel grösseren Impact als ein reiner Demonstrationsumzug», gibt Andy Künzler, Präsident von Network, der Organisation für schwule und bisexuelle Führungskräfte, zu bedenken. «Dies sehen wir jährlich in Bern: Die BernPride hatte bereits 2023 mehr als zehntausend Teilnehmende, der alternative CSD nur wenige hundert.» Gleichzeitig koste ein Festival nun einmal Geld. Löhne für Musiker:innen und Dragqueens, Technik, sanitäre Anlagen, Sicherheit und vieles mehr. Es sei deshalb schlicht illusorisch, dies ohne Sponsoren stemmen zu wollen.

Andy Künzler

Reto Hanselmann wünscht sich für kommendes Jahr ein grosses Fest auf einem schönen Platz in der Innenstadt: «Was die Pride bis jetzt gemacht hat, war immer mega schön.» Er hätte nichts aussetzen können.

Gossipa hofft, dass das Festival 2027 zurückkommt; als Ort, an dem Politik, Community und Kultur zusammenfliessen. Dafür brauche es engagierte Vorstandsmitglieder, frische Energie und Sponsoren, die verstehen, was dieser Anlass für die Sichtbarkeit der Community bedeute.

Die eigentliche Frage für 2027 ist eine politische: Will der Verein zurück zum Festival, mit starken Firmen-Partnern, einem professionellen Rahmen und der Ausstrahlung einer queeren Metropole? Oder setzt sich die Strömung durch, die Kommerz und Pride für grundsätzlich unvereinbar hält?Bei einem queeren Festival an einem zentralen Ort in der Stadt müsste man sich auch die Frage stellen, ob nach den jüngsten Erfahrungen die Sponsoren überhaupt zurückkommen würden.

Die Geschichte der Zurich Pride hat diesen Zyklus schon mehrfach durchlaufen. Sie hat ihn überlebt. Wenn die Geschichte ein Massstab ist, wird sie es wieder tun.

Mark Baer

Redaktion
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

21.08.2026

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