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Raphael Golta: «Es wäre schön, wenn die Pride 2027 wieder ein Festival durchführen könnte»

Politik

Raphael Golta ist seit Ende Mai 2026 Stadtpräsident von Zürich. (Bild: Präsidialdepartement)
Raphael Golta ist seit wenigen Wochen Stadtpräsident von Zürich. Im Interview mit DISPLAY spricht er über das Erbe seiner Vorgängerin Corine Mauch, die abgesagte Zurich Pride 2026 und warum die Stadt am Samstag in Regenbogenfarben leuchtet.

Herr Golta, Ihre Vorgängerin Corine Mauch war 17 Jahre lang das Gesicht der Stadt Zürich – auch für die queere Community. Welche Aspekte ihrer Arbeit wollen Sie weiterführen?

Corine Mauch ist natürlich als erste offen lesbische Stadtpräsidentin für viele ein grosses Vorbild. Sie hat sich immer stark eingesetzt für die LGBTI-Community. Diesen Weg will ich auf jeden Fall konsequent weitergehen.

In einer Zeit, in der die Rechte von queeren Menschen weltweit stark unter Druck sind, ist es umso wichtiger, dass wir zusammenstehen, uns füreinander einsetzen und Farbe bekennen. Wir als Stadt Zürich machen das zum Beispiel, indem wir am Samstagabend das Stadthaus in Regenbogenfarben beleuchten – als sichtbares Zeichen dafür, dass queeres Leben zu Zürich gehört.

Sie waren zwölf Jahre lang Sozialvorsteher. In dieser Zeit ist die Zurich Pride gewachsen – 2026 findet das Festival erstmals nicht statt. Was braucht die Pride, damit sie 2027 stärker zurückkommt, und wie kann die Stadt dabei unterstützen?

Ich bedaure sehr, dass das Festival abgesagt wurde. Ich weiss, welch grosse Bedeutung die Pride für ganz viele Menschen in der queeren Community hat. Umso wichtiger ist es, dass die Demonstration trotzdem stattfindet. Sie ist zentral, um Sichtbarkeit, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zeigen.

Es wäre schön, wenn das OK der Pride einen Weg finden würde, um nächstes Jahr wieder ein Festival durchzuführen. Als Stadt haben wir dem OK versichert, dass wir offen sind für Gespräche und bereit, zu einer Lösung beizutragen.

Zürich gilt international als liberale Stadt. Doch queere Menschen erleben auf dem Nachhauseweg von der Pride regelmässig Anfeindungen. Was unternimmt die Stadt, um das zu ändern?

Die Sicherheit von LGBTI-Menschen ist der Stadt ein grosses Anliegen. Zürich engagiert sich seit Jahren mit der Kampagne «Zürich schaut hin» gegen sexuelle, sexistische, homo- und transfeindliche Belästigungen und Übergriffe im öffentlichen Raum. Über ein niederschwelliges Meldetool können Belästigungen und Übergriffe unkompliziert gemeldet werden.

Zusätzlich unterstützt die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich die queere Bevölkerung mit kostenloser und vertraulicher Beratung und rechtlicher Unterstützung. Ausserdem gibt es bei der Stadtpolizei Zürich neu eine LGBTI-Ansprechperson. Sie berät bei Diskriminierungsfällen, begleitet Betroffene und soll das Vertrauen zwischen der queeren Community und der Polizei stärken.

Das diesjährige Motto der Demonstration lautet «Protect Queer Youth – Zugang schafft Zukunft». Was bedeutet dieses Motto für Sie persönlich?

Ich denke, dass die Pride gerade für junge Menschen eine zentrale Rolle spielt. Zu sehen, dass man nicht allein, sondern Teil einer grossen Community ist, halte ich für sehr wichtig. Und es kann Mut machen, zu sehen, dass andere LGBTI-Menschen offen, stolz und selbstbestimmt leben.

Die Schweiz liegt im europäischen Vergleich bei LGBTIQ+-Rechten nur im Mittelfeld. Was müsste sich auf nationaler Ebene ändern – und wie setzt sich die Stadt dafür ein?

Gerade trans und non-binäre Menschen erleben im Alltag weiterhin Diskriminierung und Belästigungen. Der neue nationale Aktionsplan gegen Hate Crimes gegenüber LGBTI-Personen des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann ist deshalb ein wichtiger nächster Schritt. Queere Menschen müssen sich überall in der Schweiz sicher fühlen können – nicht nur in einzelnen Städten.

Zürich kann eine Vorreiterinnenrolle einnehmen und aufzeigen, welche Massnahmen möglich und wirksam sind. Der Gleichstellungsplan dient dabei als Wegweiser. Entscheidend ist auch der Austausch von Wissen und Erfahrungen, sowohl innerhalb der Schweiz als auch international. Die Stadt Zürich engagiert sich deshalb aktiv im internationalen Verbund «Rainbow Cities Network». 2027 wird dessen zweitägige Fachtagung in Zürich stattfinden.

Werden Sie am 20. Juni persönlich an der Demonstration teilnehmen?

Ja, ich werde an der Pride-Demonstration teilnehmen und am Anfang eine kurze Rede halten. Ich freue mich sehr.

Maurice Müller

Online Redakteur
DISPLAY Magazin

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Veröffentlicht:

18.06.2026

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